Eine Woche plastikfrei – Fazit meines Selbstversuchs

Eine Woche lang habe ich versucht, ganz ohne Plastik auszukommen. Zwar war ich schon immer darauf bedacht, möglichst auf Plastik zu verzichten. Aber jetzt wollte ich Kunststoffe und überflüssige Verpackungen ganz vermeiden. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Es ist nicht immer und in aller Konsequenz möglich. Aber mir ist einiges bewusster geworden. Zudem erhielt ich während meiner Plastikabstinenz viele Zuschriften und Kommentare mit Tipps, die mir zum einen zeigten, dass sich bereits viele Menschen Gedanken machen, wie sie Plastik vermeiden können. Zum anderen habe ich noch einiges dazu gelernt. Ich selbst wurde auch erfinderischer und komme zu dem Schluss: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Plastikmüll deutlich zu reduzieren.

Trinkhalme aus Glas

Nicht einfach ist es für Menschen wie mir, die viel unterwegs sind. Ich pendele zwischen Berlin und Mainz, zwischen Stuttgart und dem Westerwald und bin durch ganz Rheinland-Pfalz auf Achse. Da muss es manchmal schnell gehen. Ein Einkauf eben mal fix zwischendurch, ohne Abfüllflaschen oder Dosen dabei zu haben, ein Brot beim Bäcker auf dem Weg – da ging es nicht immer ganz ohne. Auf Plastikverpackungen ganz zu verzichten, heißt, mit Plan einzukaufen – und mit Zeit. Hier ist die Politik gefragt, einen Einkauf zumindest kunststoffarm zu ermöglichen. Und es braucht genauso findige Menschen, die Alternativen entwickeln wie zum Beispiel Trinkhalme, die essbar und vegan sind. Auf solche Innovationen müssen wir setzen, und die Menschen unterstützen, die sie voranbringen.

Doch neben solch tollen Gimmicks ist es vor allem der alltägliche Einkauf, der mir Kopfschmerzen bereitet. Es sind die völlig unnötig in Plastik eingeschweißten Produkte bei Obst und Gemüse. Die Bio-Gurke ist hierfür Sinnbild schlechthin. Doch genau so sind es die Äpfel im Plastikbeutel oder Tomaten auf Plastikschalen mit Folie umhüllt. Das muss doch echt nicht sein! Vor allem, wenn ein Regal weiter ähnliche Produkte lose liegen und ohne Verpackung auskommen. Auch Joghurt wird in allen Formen und Größen angeboten, doch leider viel zu oft im Einwegbecher. Dabei gibt es schon sehr lange wiederverschließbare Gläser. Und da wir uns mit großen Schritten den Weihnachtsfeiertagen nähern, sind auch Süßigkeiten ein Thema. In Alufolie gewickelte und noch zweimal in Plastik verpackte Nikoläuse – das ist wirklich zu viel.

Copyright Gisela Kirschstein

Einkauf im Unverpackt-Laden Mainz

Wie es anders geht, zeigen die Unverpackt-Läden. Dort einzukaufen, bedarf einer entsprechenden Vorbereitung, die über den Einkaufskorb hinausgeht. Man muss eben ausreichend Behältnisse mitnehmen. Doch neben dem Einsparen von Verpackungen bringt ein solches Konzept weitere Vorteile mit sich: Ich kann selbst entscheiden, wie viel ich von einem bestimmten Produkt haben möchte, und muss nicht die XXL-Verpackung kaufen, die ich gar nicht benötige. Und ich kaufe keine Verpackungen, die vor allem mit einem gefüllt sind: Mit Luft. Klar ist aber auch, dass nicht jede und jeder von uns einen solchen Laden um die Ecke hat. Und ein Einkauf auf die Schnelle, zumindest für mich als Ungeübte, dauerte dann doch etwas länger. Dennoch verdient dieses Ladenkonzept mehr Aufmerksamkeit, auch weil es den hektischen Alltag etwas entschleunigt und bewusster einkaufen lässt.

Mit meinem Selbstversuch ging es mir nicht darum, Kunststoffe per se schlecht zu machen. Bei manchen Produkten werden sie gebraucht. Und es gibt bereits Flaschen aus recyceltem Plastik. Doch meine schriftlichen Fragen an die Bundesregierung zeigen, dass immer noch viel zu wenig Plastik, nämlich weniger als die Hälfte, den Weg in die Wiederverwertung findet. Das schlägt die Weihnachtszeit mit deutlich höherem Konsum besonders zu Buche, auch das bestätigte mir die Bundesregierung.

Recycelte Kunststoffverpackung ohne Mikroplastik

Weitestgehend außen vor gelassen habe ich bei all dem das Thema Mikroplastik. Die kleinsten Plastikpartikel entstehen durch Zersetzung, Abrieb oder Zerkleinerung größerer Plastikreste. Und sie sind überall. Nicht nur in den Gewässern, sondern auch in der Luft und inzwischen auch im Essen – pro Mahlzeit nehmen wir rund 100 dieser Partikel in uns auf – oder als Bestandteil von Makeup und anderen Produkten. Doch auch hier bieten uns einige Hersteller Alternativen an. Leider ist das nicht immer gleich ersichtlich und das Informieren zeitintensiv. Auch das muss sich ändern.

Abschließend kann ich sagen: Wir Verbraucherinnen und Verbraucher können Politik mit dem Einkaufskorb machen und viel zur Müllvermeidung beitragen. Jede und jeder für sich im Kleinen, aber gemeinsam im Großen. Das ist nicht immer einfach und nicht immer bequem, aber es ist absolut notwendig. Wir müssen uns dieser Verantwortung und letztlich auch der Macht bewusst sein. Gerade die eigentlich vom Konsum geprägte Weihnachtszeit bietet sich hierfür besonders an.

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