Gebärdensprache ist Menschenrecht: Tagesschau auch weiterhin übersetzen

Zum Vorhaben des Senders Phoenix, die Übersetzung von Tagesschau und heute journal in Gebärdensprache einzustellen, erklären Markus Kurth, Sprecher für Behindertenpolitik und Tabea Rößner, Sprecherin für Medienpolitik:

Dass Phoenix mit der Ausweitung des Angebots an untertitelten Sendungen auf die Übersetzung der Nachrichtensendungen in Gebärdensprache verzichten möchte, ist ein verheerendes Signal für gehörlose Menschen. Die angekündigte Untertitelung als Steigerung der Barrierefreiheit zu verkaufen, ist absurd.

Seit Anfang des Jahres zahlen auch Gehörlose den Rundfunkbeitrag. Es ist selbstverständlich, dass sie erwarten, das Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch nutzen zu können. Dies ist durch die Untertitelung nicht gewährleistet, da sich die Deutsche Gebärdensprache in ihrer Grammatik von der Deutschen Lautsprache stark unterscheidet. Wer gebärdensprachlich kommuniziert, ist nicht automatisch in der Lage, Untertiteln in der nötigen Geschwindigkeit zu folgen.

Die Deutsche Gebärdensprache ist mit dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen als eigenständige Sprache anerkannt. Sie ist wesentlicher Bestandteil der Kultur gehörloser Menschen und der sprachlichen Vielfalt in Deutschland. Mit der Einschränkung des gebärdensprachlichen Angebots sendet Phoenix ein vollkommen falsches Signal. Es wäre stattdessen geboten, viel mehr Formate in die Gebärdensprache zu übersetzen. Die Entscheidung für die Streichung ist entweder politisch ignorant, oder wurde schlecht informiert getroffen. In keinem Fall ist sie vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu rechtfertigen.

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