Diskussion „Gut leben im Alter“ in Neustadt

Die demografiepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Tabea Rößner aus Mainz,hat in Neustadt an der Weinstraße soziale Projekte besucht und bei einer Abendveranstaltung über Projekte informiert, die im Alter eine hohe Lebensqualität versprechen. Die Neustadter Grünen Corinna Kastl-Breitner (Kreisvorstandssprecherin), Eva Kamenetzki (Mitglied des Ausländerbeirats), Jutta Paulus (Direktkandidatin zur Bundestagswahl) und Dagmar Lückel-Werner (Mitglied des Sozialausschusses) begleiteten die Bundestagsabgeordnete.

Als erste Station informierte sich die Gruppe im „Lichtblick“, einer Tagesbegegnungsstätte für Menschen in sozialer Not. Der Leiter des Neustadter Leuchtturmprojektes Hans Eber-Huber erläuterte Konzept und Trägerschaft des sozialen Projekts. Frau Rößner zeigte sich von dem großen ehrenamtlichen Engagement der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich hier einbringen, sehr beeindruckt.

Weiter ging es zum Mehrgenerationenhaus, wo die Leiterin Annette Sperlich die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten dieser Einrichtung vorstellte. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Zusammenarbeit zwischen den aktiven Gruppen, der Ehrenamtsbörse der Caritas, den Vereinen und Initiativen.

Als drittes stand ein Gespräch mit der Genossenschaft „Haus Siebenpfeiffer“ auf dem Programm. Frau Mark, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, erläuterte der Bundestagsabgeordneten das Konzept der Wohn-Genossenschaft, für den Ortsteil Haardt ein Dorfzentrum zu entwickeln, in dem gerade für Ältere eine wohnortnahe Versorgung unterstützt werden soll. Damit kann diese vom bürgerschaftlichen Engagement getragene Gruppe den demografischen Wandel positiv gestalten.

Solche positiven Projekte stellte Tabea Rößner in ihrem Eingangsvortrag bei der Abendveranstaltung „Gut Leben im Alter“ vor, denn neben privater und staatlicher Vorsorge tragen inzwischen mehr und mehr nachbarschaftliche Initiativen zu einem besseren Miteinander bei. So zum Beispiel das Wintricher Netz, bei dem aus einem Zusammenschluss „von Senioren für Senioren“ ein generationenübergreifendes Bürgerprojekt wurde, das unter anderem einen Fahrdienst, eine ärztliche Sprechstunde im Dorf und eine Beratungsstelle für Behördenfragen organisiert. Die Dorfakademie Hambuch hat sich dem Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen verschrieben. Junge zeigen Älteren den Umgang mit dem Rechner. Alte berichten über ihre Erfahrungen im Krieg. Neue Wege für die Pflege geht die Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V., die  eine Senioren-Wohngruppe mit angeschlossener Pflegewohngruppe und Tagesbetreuung ins Leben gerufen hat. So können pflegebedürftige Menschen im Dorf bleiben. In Bielefeld ging die Initiative von der dortigen Wohnungsbaugesellschaft aus, die Wohnprojekte mit optionaler ambulanter Pflege in den Stadtvierteln eingerichtet hat. In der Neustadter Nachbarschaft hat eine Gruppe von Landauer Bürgerinnen und Bürgern den „Generationenhof Landau“ gemeinsam geplant und gebaut. Menschen jeden Alters und in verschiedenen Lebenssituationen leben nun dort in 35 eigenständigen Haushalten in guter, unterstützender Nachbarschaft.

Rößner stellte ein positives Altersbild in den Mittelpunkt. Ein negatives Altersbild verleitet zu der Illusion: „Alt werden immer nur die anderen“. Mit dieser Einstellung werden der barrierearme Umbau der Wohnung oder der Umzug in die Nähe von Läden, Arztpraxen und Bushaltestellen zu gerne hinausgezögert.

Das Publikum der gut besuchten Veranstaltung im Hotel Ramadah ging das Thema dann auch sehr praktisch an. Es ging um Möglichkeiten der Finanzierung der vorgestellten Projekte und um  Schwierigkeiten bei der Umsetzung durch eine hohe Auflagendichte. Auch die Rolle der Politik, der Kommunen und der Pflegeversicherung wurden kritisch beleuchtet. Rößner dazu: „Das Ressortdenken in Politik und Verwaltung muss zugunsten einer vernetzten dorf- oder stadtteilorientieren Herangehensweise aufgegeben werden. Auf die Diagnose `Pflegebedürftigkeit´ gibt es nicht nur eine Antwort, die da lautet `Pflegeheim´. So vielfältig wie die Bedürfnisse junger Menschen sind, so vielfältig sind die Bedürfnisse älterer Menschen. Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger, Wohnungsunternehmen, Sozialverbände und soziale Dienstleister können in Abstimmung wohnortnahe Angebote schaffen, die die Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rücken.“

Die Veranstaltung endete mit einem Hinweis auf Beratungsangebote, die von der Landesregierung gefördert werden. Für Interessierte an Wohnprojekten gibt es Ansprechpartner wie das „Forum Wohnen“ des Roten Kreuzes sowie die Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinschaftliches Wohnen“ mit dem Angebot der mobilen Wohnberater.

 

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