Besuch im Bauhaus-Archiv: Erweiterungsbau dringend notwendig

Von Außen erinnert die Architektur des Gebäudes an aneinandergereihte Dampferschornsteine. Doch der ganz in weiß gehaltene, funktional-futuristische Bau ist keineswegs ein Industriewerk. Es ist ein Spätwerk des Architekten Walter Gropius, das noch heute zeitgemäß futuristisch wirkt und immer wieder für Filmproduktionen als Kulisse dient. Es beherbergt das Berliner Bauhaus-Archiv und damit über eine Million Exponate der berühmten Designschule, die von Gropius 1919 in Weimar gegründet wurde. Der Bau ist in die Jahre gekommen und erfüllt schon seit längerer Zeit nicht mehr seinen Zweck. Zudem kann nur ein Bruchteil der Exponate ausgestellt werden. Das Bauhaus-Archiv bereitet sich auf das 100-jährige Jubiläum vor und möchte 2019 einen Erweiterungsbau beziehen. Dafür müssten jetzt die Zusagen für die Finanzierung von Bund und Senat kommen, aber die Unterstützung für die Pläne ist bisher mau.

(Foto: Andreas Berndt)

Dabei erfreut sich das Bauhaus-Archiv großer Beliebtheit. Seit Jahren hat das Museum Besucherzuwächse. Allein im Jahr 2012 besuchten 115.000 Gäste die Sammlung. Deren Altersdurchschnitt liegt bei 30 Jahren,  für Museen ein überdurchschnittlich junges Publikum. 80% davon sind außerdem internationale Besucher und auch viele Wissenschaftler nutzen das Archiv für ihre Forschung. Damit wird das Bauhaus-Archiv zu einem wichtigen Vermittler zwischen Jugend, Kunst, Kultur und Wissenschaft. Mit seiner klaren Formsprache prägt das Bauhaus bis heute Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft sowie unser alltägliches Leben. Denn Bauhaus ist eine ganzheitliche, gesellschaftsverändernde Bewegung, die weit über Design hinausgeht und die Beziehung des einzelnen zu seiner Umwelt beschreibt. Die Berliner Bauhaus-Sammlung ist mit eine Million Exponaten die weltweit umfassendste ihrer Art und von größter kultureller Bedeutung. Jedoch stehen dem Museum lediglich 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche zur Verfügung – viel zu wenig gemessen an der Bestandsgröße der Exponate und dem Besucherandrang.

Die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaus sowie einer Sanierung ist seit vielen Jahren bekannt, wird von der Berliner Regierung aber sträflich ignoriert. Vor zehn Jahren wurde die heutige Direktorin Dr. Annemarie Jaeggi eingestellt, mit dem Ziel, den Erweiterungsbau umzusetzen. Ebenso kündigt der Regierende Oberbürgermeister, der auch für Kultur zuständig ist, alle paar Jahre die unbedingt notwendigen Sanierungs- und Erweiterungsbauten zwar an.  Die Weichenstellung für die Umsetzung erfolgte allerdings nicht. Es ist unverantwortlich, dass Berlin Hunderte von Millionen in schlecht geplanten, überdimensionierten Projekten versenkt und dabei das kulturelle Erbe vergisst.


(Foto: Notker Schweikhardt)

Als Mitglied im Ausschuss Kultur und Medien habe ich zusammen mit unserer Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Sabine Bangert, kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Berliner Abgeordnetenhaus, das Bauhaus-Archiv besichtigt. Direktorin Jaeggi zeigte uns die Ausstellung und führte uns die unhaltbare räumliche Situation vor Augen. Das Haus platze regelrecht aus allen Nähten, zudem sei gläserne Architektur des Gebäudes für viele Exponate ungeeignet. Deshalb könnten etliche Stücke schlichtweg nicht gezeigt werden und  blieben einem größeren Publikum verwehrt.

Wir BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sehen es als unsre Pflicht an, dieses kulturelle Erbe zu erforschen, bewahren und zugänglich zu machen. Das Bauhaus-Archiv ist eine Schatzkammer, die es zu öffnen gilt. Auch das Konzept, das Bauhaus-Archiv zum Kompetenzzentrum für Design auszubauen, unterstützen wir. Mit dem Gründungsjubiläum in sechs Jahren drängt die Zeit. Unter der ambitionierten Leitung von Dr. Annemarie Jaeggi, die mit ihrem Team schon unter den vorherrschenden Bedingungen sehr erfolgreiche Arbeit leistet, kann dies gelingen. Deshalb setzen wir uns auf Landes- wie auch Bundesebene dafür ein, dass die nötigen und sinnvoll angelegten Mittel für den Erhalt einer der wichtigsten Kulturgüter des vergangenen Jahrhunderts endlich frei gegeben werden. Vor allem fordern wir endlich verbindliche Entscheidungen und Handlungen von dem Regierenden Bürgermeister.

Tabeas Fazit: „Als Bundestagsabgeordnete werde ich alles dafür tun,  dass das Bauhaus-Archiv spätestens zum hundertjährigen Jubiläum 2019 den Stellenwert in der Deutschen Kulturlandschaft bekommt, den es verdient.“

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