Nicht an der falschen Stelle sparen

Zu den angekündigten Streiks von Tageszeitungsredakteuren in Baden-Württemberg, NRW und Bayern, erklärt Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin:

Die Streiks sind richtig und die Verleger sollten diesen Warnschuss sehr ernst nehmen. Statt die Gehälter der 14.000 noch fest angestellten Redakteure in Tageszeitungen anzuheben, wollen die Verleger sie senken und das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammenstreichen. Brisant ist auch: Neueinsteiger sollen bis zu 30 Prozent weniger bekommen. Der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger (BDZV) droht mit Auflösung des Flächentarifs.

Die wirtschaftliche Situation mancher Zeitungen ist äußerst bedenklich und die Entwicklungen, die das Netz gebracht hat, sind keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen. Wer jedoch am journalistischen Personal spart, riskiert einen hohen Verlust an Qualität und Kreativität. Das gilt für Volontäre wie Redakteure: Kaum jemand wird dann noch zwischen den Redaktionen wechseln wollen, wenn bei einem neuen Vertrag ein niedrigeres Gehalt droht.

Die Verlage scheinen immer mehr zu vergessen, dass sie keinen Einheitsbrei verkaufen, sondern Journalismus. Und der kostet Zeit, Kreativität und Mut. Wer sich mit seinen journalistischen Inhalten nicht mehr vom Massenangebot abhebt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Leserinnen und Leser sich andere Informationsquellen suchen. Inhalte, das ist das einzige Pfund, das im Kampf gegen die Googles und Apples dieser Welt wirklichen Wert hat.

Wir wollen keine Zwei-Klassen-Bezahlung in den Redaktionen. Einige Verlage haben in den vergangenen Jahren große Teile der Redaktionen entlassen und anschließend als Leiharbeiter für weniger Gehalt wieder eingestellt. Es ist kein Erfolgsmodell, Journalismus durch niedrige Löhne noch weniger verkaufbar zu machen, dann aber nach der Politik und Leistungsschutzrechten zu rufen. Auch für die Verlagsbranche muss gelten: Streichung des Tarifvorbehalts und gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

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