Zukunft Print im Netz

Mir scheint, dass die Hürde, im Internet für Texte zu bezahlen, deutlich höher ist als bei Musik oder Filmen. Darüber hinaus werden Online-Texte kopiert, gedruckt und vervielfältigt – damit geht meist ein Rechteverstoß einher, der vielen Nutzern nicht bewusst ist.
Nun gibt es Stimmen, die den Verlagen vorwerfen: „Selbst schuld, ihr hättet Euren Content von Anfang an hinter eine Bezahlschranke packen müssen.“ Dieser Meinung bin ich nicht. Man stelle sich vor, Blogs, neue journalistische Angebote und andere Inhalte wären kostenfrei im Netz verfügbar, die journalistischen Angebote von Verlagen dagegen nur gegen Geld zu haben gewesen. Damit hätten sich die Verlage von Anfang an ins Aus manövriert, anstatt die eigene Marke auch im Netz bekannt zu machen und das Marketing auf kreative Weise in der digitalen Welt auszubauen.
Schwierig wird es, wenn journalistischer Content nur noch online genutzt wird und eine Querfinanzierung des Online-Angebotes über Print nicht mehr möglich ist, weil die gedruckte Zeitung nicht mehr genug abwirft. Dann stehen Verlage vor den gleichen Fragen wie freie Journalistinnen und Journalisten, Blogger und andere, die hauptsächlich online publizieren: Wie finanziere ich das? Und kann ich davon leben? Manche finanzieren sich quer durch andere Tätigkeiten wie PR-Jobs. Andere schaffen es, für ihr Blog genügend Werbung zu generieren.  Wieder andere erzielen Einnahmen über Bezahlsysteme wie flattr. Das Geld fließt in jedem Fall nicht mehr nur aus einer Quelle. Es braucht Flexibilität, eine schnelle Anpassung an neue Nutzungsformen und -wünsche sowie Kreativität bei der Generierung neuer Einnahmequellen und Geschäftsmodelle. Ich denke, dass mancher Content kostenpflichtig sein darf (die Frage ist dann eher: Wie einfach lassen sich Bezahlsysteme integrieren und etablieren?). Mir fehlt allerdings die Überzeugung, dass Text-Inhalt im Netz eine Chance hat, wenn er grundsätzlich kostenpflichtig wird. Dazu ist die kostenfreie Konkurrenz viel zu groß.
Angesichts der Nutzungsgewohnheiten und der mangelnden Bereitschaft, grundsätzlich für Online-Content Geld zu bezahlen, stellt sich die Frage, ob Nutzer überzeugt werden können, aufgrund von bestimmten Rechten für Content zu bezahlen. Und ist ihnen zu vermitteln, dass Verlagsinhalte lizenz- und kostenpflichtig werden, weil plötzlich ein neues Recht geschaffen wird, das die verlegerische Leistung schützt? Ich glaube kaum, dass Nutzerinnen und Nutzer – und seien es nur die gewerblichen – dies ohne weiteres annehmen. Darüber hinaus werden aus medienpolitischer Sicht durch ein Leistungsschutzrecht nicht Vielfalt, sondern Monopole gefördert – was ich nicht unterstützen kann.
Inzwischen entscheiden Autorinnen und Autoren zunehmend selbst, wie ihre Veröffentlichungen genutzt werden dürfen, zum Beispiel durch Creative Commons-Lizenzen. Sie sind Ausdruck für ein selbstbestimmtes Zur-Verfügung-Stellen. Ich kann nur Jede und Jeden ermuntern, die eigenen Publikationen mit dieser wunderbar einfachen Einordnung zu versehen. Die Frage der Finanzierung ist damit allerdings nicht gelöst. Hier stehen wir als Gesellschaft noch am Anfang. Wir müssen uns fragen, ob Bezahlung überhaupt noch unmittelbar an Rechte und deren Wahrnehmung gekoppelt sein sollte. Daher bedarf es einer offenen Diskussion, ob pauschale Finanzierungsmodelle eine Lösung sein können oder ob journalistische Inhalte finanziell unterstützt werden sollten. Oder ob am Ende der Markt der beste Regulator ist.

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