Grüne Pflegewoche: MdB Tabea Rößner zu Besuch im Haus St. Martin

Zum internationalen Tag der Pflege am morgigen Samstag besuchte die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner das Haus St. Martin in Ingelheim, gemeinsam mit der pflegepolitischen Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Katharina Binz, der Kreisbeigeordneten Ursula Hartmann-Graham sowie der Hospiz- und Palliativfachkraft Andrea Schwarz. Dabei kamen sie ins Gespräch mit Pflegekräften, mit der Einrichtungsleitung und mit Vertretern des Trägerverbands Caritas. Im Rahmen der „Grünen Pflegewoche“ der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN informieren sich Abgeordnete bundesweit über die Herausforderungen im Bereich der Pflege und nutzen die Gelegenheit, sich vor Ort mit Pflegekräften in ihren Wahlkreisen auszutauschen.

Die stellvertretende Leiterin des Hauses St. Martin, Christina Hansen, nahm die vier Besucherinnen in Empfang und gab bei einem Rundgang einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung. Diese ist nicht allein eine Pflege-, sondern eine ganzheitliche Fördereinrichtung für junge Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen. Sie bietet 50 vollstationäre Plätze für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren und fünf weitere Plätze für junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren. Die Betreuung ist rund um die Uhr – und individuell. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen hohen Anspruch: „Wertschätzung für jeden Menschen“. Und diese „kommt in der Art und Weise zwischenmenschlicher Begegnung und Pflege zum Ausdruck.“ Dafür brauche man vor allem viel Zeit, denn die Kinder und Jugendlichen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

Der ganzheitliche Ansatz und die individuelle Förderung spiegelt sich auch in den vielfältigen Berufsbildern im Haus St. Martin wieder. Und jedes davon sieht sich mit eigenen Herausforderungen konfrontiert. Das wurde auch im Gespräch mit dem Direktor der Caritas Mainz, Stefan Hohmann, und mit der Referentin für alten- und Gesundheitshilfe, Brigitte Lerch, sowie im Austausch mit den Mitarbeiterinnen des Hauses deutlich. Die Abgeordnete ließ sich berichten, dass die Rentenversicherung einer Erzieherin bestimmte Reha-Therapien nur schwerlich anerkennt, weil sie in der Pflege tätig sei und damit schwerer heben müsse als eine Erzieherin in einer Kita. „Für mich ist das einfach nicht nachvollziehbar“, so die Bundestagsabgeordnete.

Auch die Kostenfreiheit der Ausbildung ist Thema des Besuchs. Diese wird erst im kommenden Jahr eingeführt – allerdings nicht für alle Berufe. Bis dahin müssen Auszubildende in der Pflege für alle Kosten selbst aufkommen. Davon können auch die Mitarbeiterinnen aus eigener Erfahrung berichten. Ohnehin zeigt sich, dass die Pflegeberufe einen schweren Stand haben. Noch immer werden Pflegekräfte nicht im regulären dualen Ausbildungssystem ausgebildet. Das macht es für interessierte junge Menschen doppelt schwer. Denn man müsse nicht nur eine Ausbildungsstätte, sondern gleichzeitig einen Schulplatz in der Nähe finden. „Dass die Auszubildenden in der Pflege all die Jahre kein Geld bekommen haben, im Gegenteil sogar noch für die Ausbildung zahlen mussten, ist ein richtiges Unding. Da darf man sich nicht über den Pflegenotstand wundern. Wer sich dennoch für einen Pflegeberuf entscheidet, hat alle Achtung verdient. Dazu gehört eine Menge Idealismus,“ stellt Rößner fest. „Eine angemessene Vergütung, in der Ausbildung und später im Beruf, muss unserer Gesellschaft diese Leistung wert sein.“

„Überall gibt es in der Pflege Baustellen. Es wird erwartet, dass Pflegebedürftige gut versorgt werden. Gleichzeitig bleiben aber genau die auf der Strecke, die sich Tag für Tag genau dafür einsetzen. Wie aber sollen Menschen über ihre persönliche Leidenschaft hinaus von diesem wichtigen Berufsfeld überzeugt werden, wenn es an eigentlich selbstverständlichen Strukturen fehlt?“ fragt Rößner.

Am Ende des Besuchs versprach sie gemeinsam mit ihrer Fraktion der Bundesregierung ordentlich Druck zu machen und erklärt abschließend: „Der Besuch war beeindruckend, aber stimmt mich auch nachdenklich. Denn was hier geleistet wird, für und mit jungen Menschen, ist eigentlich unbezahlbar. Trotzdem wird die Pflege von der Bundesregierung seit Jahren nachrangig behandelt. Wenn wir hier die Qualität verbessern wollen, dann muss einfach mehr für die Pflegekräfte getan werden. Da nehme ich wichtige Eindrücke mit nach Berlin.“

 

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