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Tabea Rößner unterstützt Forderungen von Filmschaffenden zur Neubesetzung der Berlinale-Leitung

Für die Berlinale jetzt die Chance nutzen und neu denken – das fordert eine breite Initiative aus der Filmbranche! Und Recht haben sie, die 79 Regisseurinnen und Regisseure mit ihrer gemeinsamen Erklärung zur Neubesetzung der Festival-Leitung! Zweifelsohne – es ist eine äußerst delikate Angelegenheit. Denn es geht um nicht weniger als die Zukunft der Berlinale und die Frage, wie das Filmfestival an Relevanz gewinnen kann.

Die Filmschaffenden fordern eine „internationale, zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzte Findungskommission […], die auch über die grundlegende Ausrichtung des Festivals nachdenkt.“ Außerdem wünschen sie sich ein transparentes Verfahren bei der Neubesetzung der Berlinale-Leitung. Bereits im April hatte der Verband der deutschen Filmkritik die Einsetzung einer Findungskommission für die Neubesetzung der Berlinale-Leitung gefordert.

Es ist nicht der erste Versuch, die zuständige Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu einer klaren Aussage hinsichtlich der Berlinale-Nachfolge zu bringen: Auf meine mündliche Nachfrage an die Bundesregierung vom 26. April 2017 hin, welches Verfahren und welche Kriterien zur Neubesetzung der Berlinale-Leitung geplant sind und ob dieses Verfahren öffentlich nachvollziehbar sein wird, hat die Bundesregierung erklärt, dass die Überlegungen zur Neubesetzung gerade erst begonnen hätten, der Vertrag von Dieter Kosslick ja noch bis Ende Mai 2019 laufe und man sich im Übrigen noch nicht auf ein Verfahren oder Präferenzen festgelegt habe. Mit anderen Worten: Wir lassen uns weder drängeln noch in die Karten gucken. Bereits im April 2017 bestand deswegen bei mir und zahlreichen Filmschaffenden die Sorge, dass die Neubesetzung hinter verschlossenen Türen stattfindet und die Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Öffentlichkeit am Ende vor vollendete Tatsachen stellt.

Die 79 Regisseurinnen und Regisseure stellen mit ihrer Erklärung das politische Management der Berlinale grundsätzlich in Frage. Wie kann es sein, dass so eine zentrale Entscheidung nicht transparent nachvollziehbar ist? Und wo bleibt der lange ersehnte inhaltliche Neuanfang für das Festival? Mit einem schärferen inhaltlichen Profil und einem künstlerisch mutigeren Programm statt einem Sammelsurium von gezeigten Filmen, bei denen eine bestimmte Stoßrichtung völlig zu vermissen ist. Bei der Besetzung der Kosslick-Nachfolge werden also ganz entscheidende Weichen für die Zukunft des Festivals gestellt.

Aus diesem Grund habe ich heute mehrere schriftliche Fragen an die Bundesregierung gestellt und mich danach erkundigt, wie sie zu den Forderungen der 79 Filmschaffenden steht, warum bisher noch keine Findungskommission eingesetzt wurde und ob beabsichtigt wird, die Ausschreibung zur Neubesetzung der Berlinale-Leitung noch zu veröffentlichen.

Möglicherweise will Kulturstaatsministerin Grütters diese Personalfrage klären, solange keine neue Regierung geformt ist und sie bei dieser Entscheidung noch ihre Duftmarke hinterlassen kann. Auch die Berlinale hätte sicher Interesse daran, wenn die Frage noch vor der Berlinale im Frühjahr 2018 geklärt wäre, damit man etwas Spannendes hat, was man bei der Eröffnung verkünden kann. Vielleicht geht jetzt also plötzlich alles ganz schnell, aber vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.

Am 4. Dezember findet eine nichtöffentliche Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt, wo namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus der Filmbranche über „Filmfestivals heute“ diskutieren. Es wird erwartet, dass dort auch über die Berlinale gesprochen wird. Bisher ist der Ruf der 79 Filmschaffenden also noch nicht im BKM gehört worden. Aber vielleicht erkennt Kulturstaatsministerin Grütters ja doch noch, welche Chance darin liegt, die breite Öffentlichkeit bei einer Frage von so großem allgemeinem Interesse mitzunehmen. Ich werde jedenfalls weiterhin für mehr Transparenz in dieser Angelegenheit trommeln.

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