Kanzler-TV-Duelle abschaffen!

Zum gestrigen „TV-Bundeskanzler-Duell“ erklärt Tabea Rößner:

Bei dem gestrigen TV-Duell der beiden KanzlerkandidatInnen wurde wieder einmal deutlich: Ein solches weich gespültes Format bietet keinen Mehrwert und dient schon gar nicht der öffentlichen Meinungsbildung. Im Gegenteil: Dieses TV-Duett, bei dem die unterschiedlichen Positionen überhaupt nicht herausgearbeitet und viele relevante Themen erst gar nicht angesprochen wurden, zeigt nicht die Vielfalt der Meinungen und Positionen und befördert allerhöchstens den Verdruss über Politik. Das ist alles andere als demokratiefördernd und sollte keinen Platz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Dieses Format ist ein Armutszeugnis für kritischen Journalismus, denn genau daran mangelte es. Dabei hätte es für kritisches Nachhaken reichlich Gelegenheit gegeben, etwa bei der Frage, wie sich Merkel eine Partnerschaft mit Libyen vorstellt, oder wie Schulz mit dem Flüchtlingsdeal mit der Türkei umgehen will. Vor allem drehte sich die Fernsehrunde um eine Aufarbeitung der Großen Koalition – wobei auch da die kritischen Fragen fehlten, z.B. warum die beiden Koalitionäre viele Dinge noch nicht auf den Weg gebracht hätten – und nicht um die zukünftigen großen Herausforderungen, die die Menschen umtreiben: Klimawandel, Fluchtursachen, globale Verantwortung, die Umbrüche der Arbeitswelt durch die Digitalisierung, Bekämpfung der Armut, die Reform der sozialen Sicherungssysteme und vieles mehr. Möglicherweise ist dies dem engen Korsett des Formats geschuldet – aber dann sollte man lieber ganz die Finger von solchen Sendungen lassen. „

 

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