Bahnunglück Kaub: MdB Tabea Rößner fordert mehr Engagement

Der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags hat sich, knapp dreieinhalb Jahre nach dem Bahnunglück zwischen Kaub und Lorch, mit dem Thema beschäftigt. Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete und stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss, Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) hat die Verhandlung des Bahnunglücks im Ausschuss mitverfolgt. Sie erklärt:

„Dreieinhalb Jahre mussten die Menschen im Mittelrheintal warten, bis der Untersuchungsbericht zum Bahnunglück zwischen Kaub und Lorch vorlag und sich der Deutsche Bundestag damit nun endlich befasste. Allein das hat die Menschen im Mittelrheintal, wo täglich hunderte Züge mit zum Teil gefährlichen Gütern oft mit hoher Geschwindigkeit durchs Tal donnern, verunsichert. Dass damals nicht mehr passiert ist, ist allein dem Zeitpunkt des Unglücks zuzuschreiben, da an jenem Sonntagmorgen gegen halb sechs Uhr kein Mensch entlang der Strecke unterwegs war. Wichtig ist daher, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um alles dafür zu tun, damit sich so ein Bahnunglück nicht wiederholt.

In der Sitzung wurde nochmals deutlich gemacht, dass das Eisenbahnunglück auf mehrere kurz hintereinander liegende Gleislagefehler zurückzuführen ist. Hierdurch haben sich die Räder des letzten Waggons von den Schienen gehoben, bevor der entgleiste Zug erst elf Kilometer später im Bahnhof Rüdesheim zum Stehen gebracht wurde. Die eigentliche Ursache jedoch lag offenbar in der nicht funktionierenden Entwässerung des Gleiskörpers im Mittelrheintal. Dadurch war die Tragfähigkeit des Unterbaus nicht gegeben. Laut Untersuchungsbericht hätte dieses Sicherheitsrisiko durch die DB Netz AG erkannt und behoben werden können.

Auch wenn der Vertreter der DB Netz darlegte, welche zusätzlichen Präventionsmaßnahmen eingeführt würden, wurde doch der Eindruck vermittelt, der Bahn-Konzern wolle das Bahnunglück ein wenig unter den Teppich kehren. Dass der Zugführer die Entgleisung der hinteren Waggons nicht bemerkte, wurde damit erklärt, dass die Lokomotiven so stark seien und man ein solches Ereignis nicht spüren würde. Diese Antwort ist ganz und gar nicht befriedigend. Die Deutsche Bahn muss daher prüfen, ob Technologien für einen solchen Fall zukünftig verwendet werden können, die schnell Alarm auslösen. Mithilfe von Sensoren beispielsweise könnten Entgleisungen umgehend an den Lokführer gemeldet werden. Darüber sollte die Bahnbranche ebenfalls nachdenken. Zudem zeigt sich erneut, dass deutlich mehr Geld in die ordentliche Instandsetzung der Bahnstrecken gesteckt werden muss.“

 

Hintergrund

Das Bahnunglück zwischen Kaub und Lorch im Juni 2013 war nach der Vorlage des 105-seitigen Unfallberichtes der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) nun Thema im Bundestag. Der Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages lud hierzu am Dienstag Roland Bosch, Vorstand Produktion der DB Netz AG, der Netztochter der Deutschen Bahn AG, ein, um das Bahnunglück eines Autotransportzuges zwischen Kaub und Lorch parlamentarisch aufzuarbeiten. Das Vorstandsmitglied des Bahnkonzerns musste sich in der nicht-öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses unangenehmen Fragen der Abgeordneten stellen.

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