Fluchtursachen bekämpfen! Diskussion und Film

Krieg, Verfolgung, Terror, Dürren, Hunger und Armut – die Gründe für die Flucht von Millionen von Menschen sind vielfältig. Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge hat dabei Europa als Ziel.

Trotzdem ist das politische Handeln in Europa und Deutschlands eng verbunden mit den Gründen und den Umständen von Flucht und Vertreibung in den Herkunftsländern.

Wir wollen an diesem Abend beleuchten, wie die Außen- und Wirtschaftspolitik Europas und die Klimapolitik die Lage in den Herkunftsstaaten von Flüchtlingen verschlimmern. Was sind zentrale Fluchtursachen und welche Lösungsansätze gibt es? Welchen Einfluss haben wir als Europäer?
Wie ist die Lage in den jeweiligen Ländern und wie können wir diese beurteilen, wenn es auch um die Frage von Rückführungen geht?

Dazu möchten wir diskutieren mit:
Anne Spiegel (Integrationsministerin RLP)
Gerhard Trabert(Arzt, Armut und Gesundheit)
Daniel Köbler, MdL (Integrationspolitischer Sprecher)
Tabea Rößner MdB (Moderation)

Die Veranstaltung wird am Mittwoch, 15.3. um 19.00 Uhr im Ciné Mayence stattfinden. Im Anschluss an die Diskussion zeigen wir den Film: In This World (2002/GB).

 

 

Ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären der Filmfestspiele Berlin 2003

Mit Handkamera gedrehtes und mit Laienschauspielern besetztes Road-Movie über zwei afghanische Cousins, die sich auf den Weg aus dem Flüchtlingslager in Peshawar, einer pakistanischen Stadt nahe der afghanischen Grenze, nach London machen, um ‚in dieser Welt‘ ihre Träume von einem besseren Leben zu verwirklichen. Michael Winterbottom zwingt dem Zuschauer die Perspektive der beiden Underdogs auf und lässt so ‚unsere Welt‘ ganz schön kalt und grausam ausschauen.

Vier Anläufe hat es gebraucht, bis Michael Winterbottom endlich einen Goldenen Bären mit nach Hause nehmen konnte. Dabei hat er sich uns schon längst als Meister, der in allen Genres zuhause ist, empfohlen. Diesmal ist es wieder ein politischer Film. So wie „Welcome to Sarajewo“ oder eigentlich – ganz anders. Denn in besagtem Film ist für die Londoner Sarajewo ganz nah, zum Beispiel im Fernsehen, in den Nachrichten, wo hier eine Familie ihren vermissten Sohn bei einem UN-Hilfseinsatz im Kosovo wiedersieht. Er hatte am Vorabend seinen Rausch in einem Container am Flughafen London ausschlafen wollen und wachte am andern Morgen in Sarajewo wieder auf.
So klein ist die Welt in „In this World“ nicht, was an der Perspektive liegen mag, denn es ist ungleich einfacher von ‚dieser Welt ‚ irgend wo anders hin, als von irgend wo anders in diese Welt zu kommen. Man fällt halt nicht die Treppe rauf. Das ist wohl auch dem Vater von Enayatullah klar, der seinen Sohn deshalb großzügig mit Geld ausstattet, um ihn von Peshawar, einer pakistanischen Stadt nahe der afghanischen Grenze, in der eine Million Flüchtlinge leben, nach London zu schicken. Begleiten soll ihn sein jüngerer Cousin Jamal, der wenigstens ein bisschen Englisch spricht.
Ihre Reise geht über Land, führt sie über die Grenze in den Iran, durch Teheran, in die Berge der Region Kurdistan und weiter in die Türkei. Ursprünglich Teil der Seidenstraße, ist diese Strecke mittlerweile eine häufig benutzte Schmugglerroute. Und je näher sie sich ihrem Ziel wähnen desto gefährlicher wird ihre Reise. Dabei treffen sie auf Menschen, die sich als vertrauenswürdig und hilfsbereit erweisen und andere, die nur auf ihren eigenen Profit aus sind. Die beiden Cousins halten zusammen und so gelingt es ihnen, viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis es zu einem tragischen Ereignis kommt…
Winterbottom hat schon lange vor den Ereignissen des 11. September geplant, einen Film über das Schicksal von Emigranten zu machen, und obwohl das Filmprojekt nun, durch eben diese Ereignisse viel riskanter und gefährlicher wurde, entschied man sich trotzdem zu drehen. Die beiden Hauptdarsteller wurden in Peshawar gecastet. Sie sind Laiendarsteller und hatten Pakistan vorher nie verlassen. Das, was sie während der Dreharbeiten sehen und erleben, erleben sie zum ersten Mal, was dem Film nicht nur seinen dokumentarischen Charakter verleiht, sondern auch eine besonders starke Authentizität gibt. So wird der Zuschauer in die Geschehnisse eingebunden und kommt in die Position, nicht längst schon in ‚London‘ zu sein, sondern erst dorthin kommen zu wollen. Eine Perspektive, die Winterbottom zu allerlei Randgedanken nutzt, wie z.B. die hierzulande übliche Unterscheidung zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Migranten. Und wirklich: Nach dem Film sieht man nicht nur die Migranten mit anderen Augen, sondern auch die Selbstverständlichkeit des luxuriösen Lebens in dieser unserer Welt, die für die Mehrheit der Weltbevölkerung ein unerfüllbarer Traum bleibt.

Kalle Somnitz – www.programmkino.de

 

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