Frauenanteil bei Berlinale-Filmen

Die Frage, wie stark Frauen auf der diesjährigen Berlinale vertreten sind und bei wie vielen Filmen sie als Regisseurinnen oder Produzentinnen an der Entstehung des Filmes beteiligt waren, treibt derzeit viele Leute um. Vor allem natürlich die Vertreterinnen des Verbandes Pro Quote Regie, die sich dafür einsetzen, dass Regieaufträge zunehmend zu gleichen Anteilen an Männer wie an Frauen vergeben werden. Bei einem Gespräch im Ausschuss für Kultur und Medien im Bundestag am 18. Januar 2017 verkündete der Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der Frauenanteil bei der Berlinale 2017 betrage 42 Prozent. 42 Prozent? Bei allen Filmen der Berlinale insgesamt? Das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein.

Ich wollte es daher genau wissen und habe deshalb bei der Bundesregierung nachgefragt, wie hoch der Anteil an Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen bei den Berlinale-Filmen insgesamt und bei den verschiedenen Berlinale-Sektionen ist.

Von den 399 Filmen, die insgesamt dieses Jahr auf der Berlinale laufen, sind 125 Filme von Regisseurinnen gedreht worden, das entspricht einem Anteil von 31,3 Prozent.

Bei den Wettbewerbsfilmen sind fünf von insgesamt 24 Filmen von Regisseurinnen gedreht worden (21 Prozent). Das ist schon sehr enttäuschend, denn gerade die Wettbewerbsfilme bekommen medial während der Berlinale die größte Aufmerksamkeit. Enttäuschend ist auch der Anteil an Regisseurinnen in den Sektionen „Berlinale Special“ (15 Prozent), „Forum“ (25 Prozent) und „Perspektive Deutsches Kino“ (14 Prozent). Erfreulicher sind die Zahlen für Regisseurinnen in den Sektionen „Panorama“ (41 Prozent), „Generation“ (50 Prozent) und „Berlinale Shorts“ (46 Prozent).

Es ist wichtig, dass wir auch weiterhin auf das Thema aufmerksam sind und nicht nachlassen darin, auf die Unterrepräsentanz von Frauen auf Festivals und generell in der Filmbranche hinzuweisen. Wie die aktuelle Studie der Filmförderanstalt „Gender und Film“ einmal mehr bewiesen hat, liegt diese Unterrepräsentanz vor allem an strukturellen Barrieren in der Filmbranche, die Frauen systematisch bei der Vergabe von Aufträgen oder Fördermitteln benachteiligen. Zu den Drehbuchautorinnen liegen von Seiten der Berlinale-Organisation leider keine Zahlen vor. Das ist vor allem deshalb bedauerlich, weil es laut der FFA-Studie gerade auch im Bereich Drehbuch eine große Differenz gibt zwischen der Absolventinnen-Zahl im Fach Drehbuch und dem Anteil von Drehbuchautorinnen, die tatsächlich auf dem Filmmarkt arbeiten.

Die ausführliche Antwort auf meine schriftliche Frage auch mit der Angabe des Produzentinnenanteils finden Sie hier.

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