Freiheit den Künsten!

Gestern wurde im Bundestag der Antrag der Fraktion Die Linke zur Filmförderung debattiert. Tabea Rößner hat sich in ihrer Rede für Kunstfreiheit stark gemacht – und einen guten Vorschlag für ein gerechteres Fördersystem vorgebracht:

Es gilt das gesprochene Wort.

„Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,

Behauptung: Der deutsche Film ist tot. Tot. Totgefördert. Totgeskripted. Totgequatscht. Totproduziert. Totunterrichtet. Totgelehrt. Totkritisiert. Totgeschrieben. Totbetreut. Hat sich totgefeiert. Hat sich totgelacht. Ist total unerotisch. Totgegrübelt. — War es je anders?“
Das ist ein Zitat aus dem neuen Dokumentarfilm „Verfluchte Liebe Deutscher Film“. Dominik Graf sucht darin nach einem deutschen Kino, das er lieben kann. Und ich meine, wenn wir über die Reform der Filmförderung reden, sollten wir das auch tun.

Als leidenschaftliche Kinogängerin wünsche ich mir nicht nur Filme, die mich gut unterhalten. Ich wünsche mir Filme, die mich anregen, die andere Sichtweisen zeigen, gegen den Strich bürsten, und ja: auch provozieren. Dazu brauchen die Filmschaffenden Freiheiten. Künstlerische Freiheiten. Gerade in Zeiten wie diesen ist es umso wichtiger, dass wir diese Freiheiten ermöglichen, den Künstlerinnen und Künstlern den Rücken stärken und für die uneingeschränkte Kunstfreiheit eintreten!

Einige Probleme bei der Filmförderung werden in dem Antrag der Linken ganz richtig beschrieben. Die Förder­struk­turen sind ineffizient und ungerecht, Frauen bekommen nur selten den Zuschlag, und viele Beschäftigungsverhältnisse sind prekär. In Ihren Schlussfolgerungen tun sich aber Widersprüche auf. Sie fordern mehr Referenz‑ und weniger Projektförderung. Von der automatischen Referenzförderung aber profitieren vor allem diejenigen, die erfolgreiche Kinofilme gemacht und den Fuß schon in der Tür haben. Das Problem ist aber, dass zum Beispiel Frauen diese Tür oft gar nicht erst erreichen, weil sie vorher schon gestoppt werden.

Mir ist die Vergabe von Fördermitteln ohne Gremien ja auch sympathisch. Die Wahrheit ist allerdings, dass automatische Förderungen auch nicht gerechter verlaufen. Das kann man beim DFFF sehr deutlich sehen. Ein Aspekt ist doch auch, dass Gremien viele sehr einfallslose Entscheidungen treffen: Da werden Filme gefördert, die eh schon die meisten Zuschauer haben. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Schönes Beispiel: Fuck u Goethe II erhält jetzt noch eine Vertriebsförderung, obwohl genau dieser Film das nun wirklich nicht nötig hätte. Wir brauchen aber Vielfalt im Kino und dafür brauchen wir auch den kleinen, feinen Film.

Sie fordern Gerechtigkeit bei der Förderung. Das fordern wir auch. Weshalb fordern Sie dann aber nicht mehr Transparenz in diesem Förderdschungel? Denn Transparenz wäre doch die Voraussetzung für eine gerechtere Steuerung innerhalb des Systems. Ich habe dafür einen ganz einfachen Vorschlag: eine umfassende Berichtspflicht für die Filmförderungsanstalt. Ich sage Ihnen auch, warum. Neulich hat meine Fraktion einen Brief von Staatsministerin Grütters erhalten. Wir hatten sie nach Zahlen zur Effizienz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit der Filmförderung gefragt. Den besten Beweis für die Ineffizienz und Ahnungslosigkeit lieferte uns dieser Brief: Statt einer Antwort mit Zahlen habe ich eine Antwort bekommen, in der steht, wie lange das Zusammentragen der Zahlen dauern würde. Mehr als 2 Jahre bräuchte die FFA, um beispielsweise eine Aufstellung von Rückflüssen nach Besucherzahlen vorzulegen – so wenig kennt die FFA offenbar ihre eigenen Zahlen!

In Frankreich gibt es ein zentrales Filmregister. Dort werden bei öffentlich geförderten Produktionen alle Verträge hinterlegt – mit Informationen zum Gesamtbudget, zu Beteiligungen von Sendern und Koproduzenten und zu den Arbeitsbedingungen. Und in Deutschland? Da behält die FFA so wichtige Daten, an denen die gesamte deutsche Filmbranche hängt, für sich oder –noch schlimmer – erhebt sie gar nicht erst. Hier sehen wir dringenden Änderungsbedarf.

Wir sind davon überzeugt: Wenn es bei der Förderung etwas gerechter zuginge, bräuchte sich die Branche nicht mehr verstecken und wir müssten nicht mehr fluchen – über unsere Liebe zum Deutschen Film.“

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