Onlinejournalismus ganz anders

Wie funktioniert Journalismus im digitalen Zeitalter? Vor allem: Wie finanziert sich Journalismus im Netz? Fragen, die in den Cheftagen mancher Verlagshäuser zu Ratlosigkeit führen. Die Zahlen der Zeitungsabonnements gehen zurück, und immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, ihren Informationsbedarf kostenfrei im Internet zu decken. Die Medienbranche steht immer mehr unter großem Druck. Viele neue Formate und Geschäftsmodelle sind entworfen worden, um über Crowdfunding, Sponsoren oder Genossenschaftsmodelle journalistische Arbeit im Netz zu finanzieren. Richtig erfolgreich ist bisher kaum eines. Die Nachrichtenseite Merkurist.de aus Mainz geht einen ganz anderen Weg. Im Januar besuchte die Mainzer Bundestagsabgeordnete und medienpolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion, Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), das Start-Up Unternehmen mit Sitz in Mainz-Gonsenheim.

Nicht ohne Stolz führen Manuel Conrad und Meik Schwind, die beiden Gründer von Merkurist.de, durch die Räume ihrer Firma. Das Unternehmen wächst. Und die beiden Gründer sind überzeugt von ihrer Idee. Onlinejournalismus funktioniert nicht nur nach dem Sender-Empfänger-Prinzip, es geht ihnen um die Interaktion mit ihren Rezipienten. Was interessiert die Leserinnen und Leser? Worüber soll berichtet werden? Um dies herauszufinden, wurde eine neue Plattform eigens für Merkurist.de entworfen. Tabea Rößner, die lange Zeit als Journalistin tätig war, erinnert sich, wie in den verschiedenen Redaktionen genau über diese Frage diskutiert wurde. Zudem war es mühsam, auf das Zuschauerbedürfnis schnell und aktuell zu reagieren: „Heute bietet das Netz ganz andere Möglichkeiten, die Interaktion funktioniert schnell und ohne große Hürden.“

Besondere Tools auf der Seite ermöglichen eine umfassende Beteiligung. Mithilfe von kurzen Einträgen, so genannten Snips, können Leserinnen und Leser selbst angeben, über welches Thema berichtet werden soll. Hat ein Snip genügend „O-has“, also Zustimmung, gefunden, setzt sich ein Journalist dran. Generell spielt der Oha-Button eine wichtige Rolle auf der Seite. Er entscheidet mit darüber, welcher Artikel ganz oben angezeigt wird, gibt gleichzeitig Aufschluss über Themen von besonderem Interesse und spielt auch in der Vergütung der freien Autorinnen und Autoren eine Rolle. Die bekommen nämlich neben einer Pauschale eine zusätzliche Vergütung, wenn ihr Artikel eine hohe Resonanz hat. Dabei ist nicht nur relevant, was häufig aufgerufen wurde, sondern auch, wieviel Prozent des Textes insgesamt gelesen wurde. „Wir haben versucht, journalistische Qualität zu definieren. Ein Indikator dafür ist, dass ein Artikel bis zum Ende gelesen wird. Dies können wir mit unserem System problemlos ermitteln“, erklärt Conrad.

Die Autoren stellen die Inhalte selbst auf die Plattform. Ein Team festangestellter Redakteure überprüft die Inhalte und stellt sie dann online.

Das Start-up ist zur Zeit noch auf seine Investoren aus der Softwarebranche angewiesen. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr noch bei 40.000 Euro. Mittlerweile zählt Merkurist.de 2500 registrierte Nutzer und hat monatlich rund 200.000 Besucher. „Wir rechnen damit, dass wir ab 500.000 Euro Jahresumsatz nicht mehr auf Gelder der Investoren angewiesen sind“, erklärt Manuel Conrad. Das Nachrichtenportal soll sich auch zukünftig ausschließlich über die Erträge aus Anzeigen und Werbung finanzieren. Zukünftig wollen Conrad und Schwind ihr Angebot auch auf die Städte Wiesbaden und Frankfurt erweitern.

Tabea Rößner zeigt sich sehr erfreut darüber, dass ein so innovatives Start-Up-Unternehmen in Mainz ansässig ist. „Hier in Mainz ist die Innovation zu Hause. Der Merkurist leistet einen wichtigen Beitrag zur Medienvielfalt für die Region und zeigt auf, wie Onlinejournalismus funktionieren kann“, erklärt sie. Sie wird die Entwicklung des noch jungen Unternehmens mit großem Interesse verfolgen.

 

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