Goldene Palmen: nicht für deutsche Filme © FDC

Cannes ist schuld: Womit sich die Bundesregierung beim Kino zufrieden gibt

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich offenbar das geflügelte Wort von Joe Hembus zu Herzen genommen: Die internationale Festivalpräsenz deutscher Filme ist ausreichend. Genau. Hembus schrieb: „Der deutsche Film kann gar nicht besser sein.“ Kurzer Faktencheck: 2015 liefen weder in Cannes, noch in Venedig, noch in Locarno Filme deutscher RegisseurInnen im Wettbewerb. Das ist nichts Neues: Deutsche Filme werden seit Jahrzehnten so selten wie die Werke keines anderen großen europäischen Landes in den Wettbewerb des wichtigsten Festivals der Welt eingeladen – immerhin ein Gradmesser für den künstlerischen Erfolg. Ob Großbritannien, Italien oder Frankreich, alle sind regelmäßig in Cannes vertreten. Nur Deutschland gelingt es, zwischen zwei Einladungen zehn Jahre verstreichen zu lassen. Dass es dafür viele Ursachen gibt, die auch mit der Finanzierungsstruktur in Deutschland zusammenhängen, ist grundsätzlich nicht strittig.

Die Bundesregierung jedoch, die ich in einer Kleinen Anfrage nach ihrer Strategie gefragt habe, wie sie für eine größere Präsenz deutscher Filmemacher bei internationalen A-Festivals sorgen möchte, hat eine ungewöhnliche Antwort parat: Sie wollen gar nichts unternehmen. Denn Cannes ist selbst schuld! Zugegeben, ein bisschen freundlicher hat es Staatsministerin Grütters formuliert: „Das Festival in Cannes [bietet] eine nur sehr begrenzte Teilnahmemöglichkeit. Das Festival hat eine enge Vorstellung von der filmischen Gestaltung (Autorenfilm) und ist zudem den Regisseuren treu, die das Festival ein Arbeitsleben lang begleitet haben. Es ist für neue Regisseure schwieriger, unter diesen Voraussetzungen nominiert zu werden.“ Was wohl gemeint ist mit „enge Vorstellung“? Ob das ein Euphemismus ist für Qualitätskriterien, die der Staatsministerin unlieb sind, weil sie offenbaren, wie gering die künstlerischen Freiheiten für das Kino in Deutschland sind? Da wird einem bange um die 15 Millionen Euro, die in ihrem Haushalt für die kulturelle Filmförderung nun eingestellt wurden – um bloß nichts zu verbessern an der derzeitigen Lage. Denn das hatten wir ja schon geklärt: Der deutsche Film kann gar nicht besser sein.

Die gesamte Kleine Anfrage mit allen Antwortverweigerungen finden Sie hier.

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