Zwanzig Meter zwischen Balkonpflanzen und Schwerlastverkehr

Für Manche mag es unvorstellbar sein, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Autobahn zu leben. In Marienborn gehört dies für viele Menschen zum Alltag. Gerade einmal zwanzig Meter trennen die A63 vom nächsten Wohngebiet. Die Anwohnerinnen und Anwohner sind in der Nacht Lärmpegeln von weit über 49 Dezibel ausgesetzt. Um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen, lud die Initiative Lebenswertes Marienborn e.V. zu ihrem zweiten Staufrühstück ein. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Interessierte trafen sich in den frühen Morgenstunden am Chausseehaus, um über Lösungen zu diskutieren.

Neben dem Verkehrslärm sind für die Anwohnerinnen und Anwohner die täglichen Staus am Morgen und in den Abendstunden eine große Belastung. Die Anschlussstelle zur A60 und die dortige einspurige Verbindungsschleife sorgen dort für täglichen Stillstand, der häufig von dauerhaftem Hupen begleitet werde. 36,8 % des Tagesverkehrs findet in der Zeit zwischen 6 und 10 Uhr morgens statt. Am Abend findet das Szenario auf der anderen Seite statt.  Außerdem sieht die Bürgerinitiative die Sicherheitslage an der Anschlussstelle als katastrophal an. Stadteinwärts gibt es keinen Seitenstreifen, Fluchtwege sind schwer erreichbar und kaum zu erkennen, die Schleifen des Kreuzes sind zu eng. Nicht selten kommt es auf der Abbiegespur Richtung A60 zu Unfällen, der Verkehr auf den anderen beiden Spuren rast dort vorbei. Von Süden kommend sind viele Autos 130 km/h unterwegs. Erst auf etwa der Hälfte der Abbiegespur gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h bzw. 80 km/h auf der Abbiegespur. Nirgendwo sonst im Stadtgebiet dürfen die Autos so schnell fahren. „Ein zutiefst unbefriedigender Zustand“, fasst Tabea Rößner die Situation zusammen.

Die Bürgerinitiative fordert daher ein Tempolimit von 80 km/h. Diese hätte nicht nur positive Auswirkungen auf die Sicherheit der Anschlussstelle, es verringere auch den Lärm. Die Mainzer Bundestagsabgeordnete will sich für ein  Tempolimit stark machen und mit den Verantwortlichen bei der Auftragsverwaltung das Gespräch suchen. Zudem will sie prüfen, wie die Bundesgesetzgebung nachgebessert werden muss, damit ein Tempolimit auch durchsetzbar ist. „Zwanzig Meter neben einer Autobahn zu wohnen, das ist schon unzumutbar. Der Ausbau der Straße, die irgendwann in eine Autobahn mündete, hat die Bebauung nicht ausreichend berücksichtigt. Heute dürfte hier gar nicht mehr gebaut werden. Grund genug, um die Anwohnerinnen und Anwohner jetzt im Nachhinein besser zu schützen“, erklärt sie abschließend.

 

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