Desaströse Zahlen zum Frauenanteil bei der Filmförderung

Zur Offenlegung der Bundesregierung von Zahlen zur Benachteiligung von Frauen in der Filmförderung erklären Tabea Rößner, Sprecherin für Medienpolitik und Kreativwirtschaft, und Ulle Schauws, Sprecherin für Frauenpolitik:

Die Zahlen eröffnen eine neue Dimension davon, wie stark Regisseurinnen benachteiligt werden. Das geht auf eine Antwort der Bundesregierung auf die mündliche Frage für den Förderzeitraum 2013-2014 zurück, die erstmals auch die Zahl der jeweiligen Einreichungen enthält. Die Filmförderungsanstalt (FFA) hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Dass 2013 lediglich eine einzige Koproduktion mit Beteiligung einer Regisseurin unter den sechs eingereichten Projekten gefördert wurde, zeigt das ganze Ausmaß der Benachteiligung. Bei den Regisseuren waren 16 von 33 Einreichungen erfolgreich. Ähnlich drastisch fallen die Zahlen bei deutschen Produktionen aus: 2013 wurden nur neun der 33 eingereichten Projekte mit Regisseurinnen gefördert – gegenüber 48 von 105 Projekten mit Regisseuren. Die Förderquote liegt jeweils bei den Projekten mit Regisseurinnen deutlich unter der von den Vorhaben mit Regisseuren.

Erschreckend sind auch die Zahlen bei der automatischen Filmförderung des Deutschen Filmförderfonds. Sowohl 2013 als auch 2014 handelte es sich bei mehr als 90 Prozent der geförderten Koproduktionen um Filme mit Regisseuren. Offensichtlich gehören hier die Vergabekriterien auf den Prüfstand. Es ist dringend an der Zeit, dass die Beauftragte für Kultur und Medien ihr Versprechen wahr macht und die Ursachen für die Benachteiligung von Frauen in der Filmbranche aktiv bekämpft. Es genügt nicht, Studien zu dem Thema zu fördern. Es muss endlich etwas getan werden.

Hier die komplette Antwort der Bundesregierung als PDF auf meine mündliche Frage.

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  1. La Société du spectacle

    Wieso belegt das, dass Regisseurinen benachteiligt werden? Vielleicht waren die Filme der Regisseure einfach nur besser? Schon mal daran gedacht, oder ist das zu abwegig? und was ist daran so „erschrecken“? Werden Filme bei einer 50:50% Quote dadurch besser? Wohl eher nicht. Qualität > Quote. Sonst fordere ich in Zukunft auch eine Quote für Rotharrige..nicht.. http://www.bbc.com/news/uk-northern-ireland-28872927

    • Buero_Berlin

      @La Société du spectacle
      Umgekehrt wird ein Schuh draus: Weshalb sollten Filme von Regisseurinnen systematisch schlechter sein als die von Regisseuren? Nur so ließen sich die Zahlen erklären. Natürlich verbergen sich hinter jeder einzelnen Zahl auch konkrete Vorhaben, da kann es „rein zufällig“ auch einmal zu unterschiedlicher Gewichtung kommen. Dafür, dass die besten Filme – nach Qualitätsmaßstäben – gefördert wurden, gibt es aber nun wirklich keinen Beleg!
      – Büro Tabea Rößner

  2. Kein Troll

    Die Frage könnte auch lauten: Warum gibt es so wenig weibliche Heavy Metal Bands mit Plattenvertrag?

    Die Zahlen sagen erst einmal überhaupt nix aus und man sollte eine Kunstdiskussion nicht mit Statistiken führen. Und falls man das will, dann sollte man bitte etwas umfangreicher vorgehen.

    Daher meine Frage zu den Metal Bands. Wie sieht denn die prozentuale Verteilung in der Breite aus? Also z.B. dort, wo sich der Wunsch zum Filmemachen hegt, bei den Bewerbungen. Wie hoch ist der Anteil der weiblichen Bewerbungen an Filmhochschulen? Denn bereits die Anzahl der weiblichen Filmstudentinnen ist durch den Filter einer Gleichberechtigungsbeauftragten gegangen. Gibt es dazu Zahlen? Und wie verhalten sich die Zahlen letztendlich zu denen der Förderentscheidungen?

    • Buero_Berlin

      Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich …
      Sie argumentieren auf der falschen Ebene. Hier geht es um die faire Verteilung von Fördermitteln, die sollte natürlich diskriminierungsfrei sein. Wir fragen ja nicht danach, wie viele Slasher- und Horrorfilme von Regisseurinnen einen Verleih nach freier unternehmerischer Entscheidung erhalten, sondern wie viele Filme insgesamt von Regisseurinnen Förderung aus Branchenabgaben und Steuermitteln erhalten.
      Sie treffen aber mit Ihrem Hinweis auf die Filmhochschulen einen wichtigen Punkt: Indirekte Benachteiligung durch die Beschaffenheit der Filmbranche – die auch nicht bleiben muss – ist kaum zu messen. Davon zeugen nur viele Berichte von Frauen in Filmberufen. Und ja, manchmal müssen Anreize geschaffen werden, damit es ein größeres Gleichgewicht gibt. Meinen Sie denn, dass weniger Frauen als Männer Filme machen wollen/können und dass die Zahlen Ausdruck dessen ist?
      Schön, wenn wir über Kunst reden, das ist bei der Filmförderung nicht oft genug im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gleichzeitig geht es aber auch um Fragen der Chancen auf freie Wahl des Berufs, die sollte abhängig von der Eignung sein, nicht vom Geschlecht. Und so sieht es aktuell leider noch immer aus. Stellen Sie sich vor, es würden Bewerbungen für Drehbuchförderung anonym und ohne Angabe des Geschlechts bewertet. Ich wette mit Ihnen, es kämen nicht die gleichen Ergebnisse dabei raus.

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