„Wir wollten Party machen, und das wurde uns verwehrt“- Roland Jahn zu Besuch im Otto-Schott-Gymnasium Mainz-Gonsenheim

Es muss nicht leicht gewesen sein, als junger Mensch in der DDR zu leben. Für den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, waren es die alltäglichen kleinen Repressalien, die den Nährboden für die Proteste gegen das System und die friedliche Revolution bereiteten. Auf Einladung der Mainzer Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), besuchte Jahn das Otto-Schott-Gymnasium in Mainz-Gonsenheim und unterhielt sich mit rund 250 Schülerinnen und Schülern über die Methoden der Staatssicherheit und das Leben in der DDR.

„Wir wollten Party machen, und das wurde uns verwehrt“, erzählt Jahn zu Beginn. Stattdessen bot ihm der Staat nur biedere Tanzveranstaltungen mit ausgewählter Musik und einer peniblen Kleiderordnung. „Lange Haare, so wie Du sie in der dritten Reihe trägst, waren lange Zeit ein No-Go in der DDR“, sagt er und zeigte auf einen Schüler. Zu seinem persönlichen Leidwesen war seine damalige Lieblingsband, die Rolling Stones, untersagt. Die strikten Reglements seien für ihn auch ein Anlass gewesen, dieses System stetig zu hinterfragen. Wenn man so will, führten sie schließlich dazu, dass Jahn 1977 von der Universität flog, weil er sich kritisch zur Ausbürgerung von Wolf Biermann geäußert hatte. Um es demokratisch aussehen zu lassen, ließ die Universitätsleitung seine Seminar-Gruppe über den Rauswurf entscheiden. 13 von 14 stimmten für die Exmatrikulation. „Es kam völlig unerwartet. Ich war verletzt, aber ich habe sie verstanden“, kommentiert Jahn ihre damalige Entscheidung. Ihnen sei ebenfalls angedroht worden, von der Universität zu fliegen, außerdem hätten sie mit Repressalien für ihre Familien rechnen müssen. Viele Jahre später meldete sich einer der Kommilitonen bei ihm. Ihn plage bis heute dieses Ereignis. Stille im Saal.

Tabea Rößner, die den Nachmittag moderierte, ist es wichtig, dass solche Geschichten erzählt werden. „Wir leben in bewegten Zeiten. Die Güter unserer Demokratie wie die Presse- und Meinungsfreiheit sehen wir oftmals als selbstverständlich an. Dabei ist es wichtig, sich dieser Grundwerte zu besinnen“, erklärt sie. „Ich freue mich sehr, dass das Otto-Schott-Gymnasium in Mainz-Gonsenheim bereit war, diesen Austausch zu ermöglichen“, ergänzt Rößner.

 Auch die Staatssicherheit beschäftigt die Schülerinnen und Schüler an diesem Nachmittag. Jahn berichtet davon, wie kleinteilig der DDR-Geheimdienst arbeitete. „Man horchte schon auf, wenn jemand seinen Trabbi verkaufen wollte“, berichtet er. Da man sehr lange in der DDR auf sein Automobil warten musste, fuhr man ihn auch sehr lange. Demnach gab es für die Stasi nur wenige Gründe für einen Verkauf. „Man schloss dann direkt daraus: Der will flüchten!“, ergänzt Jahn.

 Plötzlich war Schluss mit den Geschichten. Ein Schüler katapultierte die Zuhörer wieder in die Gegenwart. Ob er sich denn nicht verarscht vorkommen würde, wenn er jetzt von den Aktivitäten der NSA höre. „Freiheit – das bedeutet auch Schutz von Privatsphäre“, mehr musste Jahn nicht sagen. Sein Leben sagt alles dazu.

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