Situation der freiberuflichen Hebammen verbessern

Anlässlich des Besuchs der rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) im Geburtshaus Sonne, Mond und Sterne in Bad Sobernheim, erklärt sie:

„Geburten sind das natürlichste der Welt. Viele Eltern suchen eine gute Betreuung durch Hebammen, die sie vor, während und nach der Geburt begleiten, um eine möglichst natürliche Geburt zu erleben. Diese Betreuung ist in Gefahr. Grund dafür sind der Ausstieg einiger Versicherungen sowie extrem hohe Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen. Viele von ihnen haben bereits aufgegeben.

Im Geburtshaus in Bad Sobernheim macht sich das bemerkbar: Viele Eltern kommen nicht nur aus der unmittelbaren Nähe, sondern nehmen zum Teil lange Anfahrtswege in Kauf, um dort die für sie richtige Betreuung zu bekommen. Die Wahlfreiheit der Eltern, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen wollen, ist heute schon eingeschränkt, langfristig insgesamt bedroht.

Versicherungen wollen das Risiko immer seltener tragen. Denn die Ansprüche bei möglichen Schäden sind – wie in anderen Gesundheitsberufen auch – enorm gestiegen. Aufgrund des medizinischen Fortschritts ist die Lebenserwartung Geschädigter deutlich höher als früher. So müssen beispielsweise Verdienstausfälle und medizinische Versorgung über längere Zeiträume finanziert werden.

Versicherungen, die mit dem Hebammenverband Gruppenverträge haben, haben den Hebammen – falls sie nicht ganz ausgestiegen sind – hohe Versicherungsprämien auferlegt. Dieses Jahr liegt die Prämie für freiberufliche Geburtshelferinnen bei über 5.000 Euro, im nächsten Jahr wird sie sogar auf über 6.000 Euro steigen. Das ist für viele Hebammen, gerade für in Teilzeit arbeitende, nicht zu bezahlen. Dies wird langfristig zu einem Versorgungsengpass in der Geburtshilfe führen – gerade im ländlichen Raum.

Auch aus ökonomischer Sicht ist diese Entwicklung kritisch zu sehen. Durch eine gute Betreuung auch vor und nach der Geburt können viele Komplikationen vermieden bzw. rechtzeitig erkannt werden. Zudem scheint es in bestimmten Gesellschaftskreisen chic zu sein, ihr Kind per Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation zur Welt zu bringen. Dieser Trend ist bedenklich, Kaiserschnitte können von den Kliniken aber höher abgerechnet werden.

Um die Wahlfreiheit zu erhalten, brauchen wir eine dauerhaft tragfähige Lösung für alle Gesundheitsberufe, denn sie alle haben mit steigenden Haftpflichtprämien zu kämpfen. Wir wollen daher prüfen, ob die Übertragung der Regelung der Unfallversicherung auf eine Berufshaftpflichtversicherung möglich ist.“

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