ZDF: Reinen Tisch machen!

Die Mauscheleien beim Ranking der ZDF-Show „Deutschlands Beste“ sind blamabel. Das ZDF hatte ein seriöses Image. Dieses Image hat jetzt einen Schaden genommen, der schwer zu reparieren sein wird. Denn der Glaube an ein unabhängiges ZDF hat schon in den vergangenen Jahren schwer gelitten: Ein Chefredakteur wurde von einem CDU-Ministerpräsident rausgekegelt, ein anderer Ministerpräsident wollte die Berichterstattung beeinflussen und bei „Wetten dass…!?“ gab es Schleichwerbung. Der erste Fall wird sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Besetzung der ZDF-Gremien hoffentlich nicht wiederholen können. Der Fernsehrat und der Verwaltungsrat dürfen in Zukunft nicht mehr durch staatliche Vertreterinnen und Vertreter dominiert sein. Deshalb war das ZDF gerade auf einem guten Weg zu mehr Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. Der aktuelle Redaktionsschwindel überdeckt diesen Fortschritt. Das Vertrauen in die Sendeanstalt hat wieder einen Riss bekommen.

Was muss sich also ändern, damit solche Fehler in der redaktionellen Arbeit nicht mehr vorkommen? Das Zahlenverdrehen der Redaktion hat natürlich gegen Richtlinien verstoßen. Die Frage ist also, wie werden solche Richtlinien eingehalten und überprüft? Wer nimmt in dem Sender die Konzepte für solche Sendungen ab und wer übernimmt jetzt die Verantwortung? Warum mussten Personen überhaupt hochgerankt werden? Warum entstand der Druck so etwas zu tun?

Ich gehe davon aus, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen, dass im ZDF solche Fragen und die Arbeit der Redaktionen stärker überprüft werden. Dann müssen die Aufsichtsgremien zusammen mit der Führung des Hauses einen Vorschlag machen, wie das effektiv und sinnvoll passieren kann. Der Programmausschuss tagt nächste Woche zu einer Sondersitzung. Er ist jetzt in der Verantwortung, die Probleme nicht klein zu reden, sondern große Lösungen zu entwickeln. Das ist eine wichtige, aber nicht ganz leichte Aufgabe. Andere große Sender in der ARD haben aber auch nach den Skandalen zur Produktplatzierung beispielsweise Wege gefunden, um transparent zu machen, wer entscheidet, was gezeigt, was gesendet werden darf. Es ist daher das einzig Richtige, dass sich auch der Fernsehrat damit befasst. Nur gründliche Aufklärung der Vorgänge kann verhindern, dass sich Betrügereien wiederholen und Gerüchte beseitigen, das Ganze sei politisch motiviert gewesen.

Nur wenn das ZDF selbst gewillt ist, Strukturen zu verändern, können solche Patzer verhindert werden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben ein Recht auf den Blick hinter die Kulissen. Nur so wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk wieder glaubwürdig.

Das einzig Gute an der Geschichte: Die Medienkontrolle in Deutschland hat funktioniert. Der Skandal kam ans Licht, weil Journalisten nachgedacht, nachgefragt und nachgeforscht haben. In dem Schlammassel ist das der Strohhalm, an den wir uns klammern können. Es gibt sie also doch noch, die Journalisten, die so arbeiten, dass manche es „investigativ“ nennen. Schade, dass sie ihre Zeit mit dem ZDF verbringen müssen.

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