In eigener Sache

Weder ich noch meine Handtasche können ein Flugzeug stoppen. Ich saß am Montag – wie einige BundestagskollegInnen auch – in der Lufthansamaschine von Frankfurt/Main nach Berlin. Die Maschine war noch in der Parkposition und der Kapitän informierte uns, dass es wegen Nebels noch keine Starterlaubnis gäbe und es deshalb zu Verzögerungen kommen würde. Dann merkte ich, dass ich meine Handtasche im Terminal vergessen hatte. Sie enthielt keine wichtigen oder gar geheimen Dokumente, sondern meinen Geldbeutel, mein ipad und vielleicht noch Taschentücher und Ähnliches.

Ich habe den Verlust einer Stewardess mitgeteilt und darum gebeten, dass die Tasche aufgesammelt und aufbewahrt wird. Jeder Mensch, der fliegt weiß, was “herrenlose“ Gepäckstücke für Aufregung auslösen können. Dass ich Bundestagsabgeordnete bin, habe ich übrigens nicht erwähnt. Die Sache war so schon unangenehm genug. Die Stewardess hat es dem Kapitän mitgeteilt und der hat entschieden, dass man die Verzögerung wegen der fehlenden Starterlaubnis auch nutzen kann, um für mich die Tasche zu holen. Das war es. Keine Sonderbehandlung.  Wegen mir oder meiner Tasche hat sich der Flieger nicht um eine Sekunde verspätet, kein Passagier musste leiden. Das hat und wird die Lufthansa auch gerne jedem bestätigen, der nachfragt.

Warum ich nicht immer die Bahn nach Berlin nehme

Als Mainzerin, die selbst vom Fluglärm betroffen ist – die Anflugroute über Mainz gehen schließlich direkt über mein Wohngebiet – versuche ich, so oft es geht, mit der Bahn nach Berlin zu fahren. Die Bahn hat viele Vorteile, sie ist ökologischer, macht weniger Lärm und ist deutlich bequemer: kein ständiges Anstehen in Schlangen, man kann dort in Ruhe arbeiten, und der Berliner Hauptbahnhof ist direkt in der Nähe meiner Arbeitsstätte. Und vor allem ist es mir immer wichtig, meinen Werten entsprechend zu handeln.

Allerdings ist es mir nicht immer möglich, die Bahn zu nehmen – was ich im Übrigen auch nie behauptet habe. Bei einer 60 bis 70 Stunden-Woche sind die Termine eng getaktet, der Montagmorgen ist meist schon gut mit Terminen gefüllt. Häufig tagen montags schon Gremien. In der vergangenen Wahlperiode waren das beispielsweise der Unterausschuss Neue Medien und die Internet-Enquete, in deren Rahmen ich außerdem zahlreichen Arbeitsgruppen angehörte. Viele Termine in meinem Wahlkreis oder im Land liegen an den Wochenenden, so dass ich oft auch sonntags in Rheinland-Pfalz unterwegs bin. Darüber hinaus bin ich Mutter zweier Kinder, habe meine im vorigen Sommer verstorbene hochbetagte Mitbewohnerin gepflegt und muss mich gelegentlich auch um so banale Dinge kümmern wie Termine beim Arzt oder mit Handwerkern.

Am vergangenen Montag habe ich aus zwei Gründen das Flugzeug genommen: Nachdem ich am Sonntag auf zwei Neujahrsempfängen geredet hatte, nahm ich mir nachmittags Zeit für meine Tochter, die am nächsten Tag ihre erste fünfstündige Abiturklausur schreiben sollte und sehr aufgeregt war. Darüber hinaus war am Montagmorgen ein Termin mit einem Handwerker vereinbart worden, der einzige Termin, den wir finden konnten.

Daher wäge ich jedes Mal aufs neue ab, ob ich die Bahn nehmen kann oder den Flieger nehmen muss.

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  1. Norbert Lowin

    „Warum ich nicht immer die Bahn nach Berlin nehme“
    Das heist Sie benutzen auch die Bahn nach Berlin um Montags um ca. 10:00 Uhr im Bundestagsgebäude tätig werden zu können?
    Das hatte ich bisher noch nicht gelesen.

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