In der Nacht sind alle grünen Schilder grau

Neun Radfahr-Aktive, mit dabei auch die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, folgten am vergangenen Samstag dem Aufruf des VCD (Verkehrsclub Deutschland) und brachen zu einer frühabendlichen Erkundungstour in das Mainzer Radroutennetz auf.

Der die Fahrt leitende Rheinhessen-Fahrradexperte des VCD, Dr. Rupert Röder, wies auf die positiven ökologischen und gesundheitlichen Aspekte der Nutzung des Fahrrads für die Alltagswege hin. Das gelte, so Röder, auch bei Fahrten am Abend oder in der dunkleren Jahreshälfte, doch stelle die Dunkelheit besondere Anforderungen an die Gestaltung des Radroutennetzes. „Die Routen müssen am Abend auch für nicht perfekt Ortskundige noch findbar und nutzbar sein“, forderte der VCD-Experte.

Die Teilnehmer stellten dann gleich am Startpunkt der Tour, dem Mainzer Hauptbahnhof, fest,  dass ein orientierender Plan für den Einstieg in das Mainzer Radroutennetz fehlt. Sogar Vielradler kennten die am besten geeigneten Wegeführungen oft nicht. Die kleinen Radroutenschilder auf dem Bahnhofsvorplatz helfen nicht viel, da eine grundlegende Orientierung mit ihnen schwierig sei. Überdies sind sie, so wurde beobachtet, wenn es dämmert oder dunkel ist, kaum zu entdecken. Anfällig für schlechte Scherz sind sie auch: Wie ein Teilnehmer bemerkte, ist derzeit ein Schilderverteiler gedreht und schickt alle, die den Wegweisern folgen, in die verkehrte Richtung. Eine weitere Beobachtung war, dass die Landesbeschilderung der Radrouten (grüne Schrift auf weißem Untergrund) eher Freizeitinteressen als die Erfordernisse des Alltagsradelns berücksichtigt. So führt der ausgeschilderte Weg nach Hechtsheim, dem die Gruppe folgte, oberhalb des Bahnhofs durch die Parkanlage zwischen Augustusstraße und Römerwall. Für den Familienausflug am Sonntag bei Sonnenschein ist dies durchaus reizvoll, am Abend wirkt die schlecht beleuchtete und verwinkelte Anlage wenig vertrauenerweckend.

Positiv überrascht waren die Testradler dagegen, als sie am Beginn der Hechtsheimer Gemarkung zwar den normalen Weg versperrt fanden, weil derzeit die Mittelstraße ausgebaut wird, jedoch eine Umleitung für den Radverkehr eingerichtet wurde, die vorbildlich beschildert und beampelt ist. Von Hechtsheim führte die Tour dann weiter über die Laubenheimer Höhe zum Bahnhof Laubenheim. Dort beginnt der neu ausgebaute Radweg in Richtung Zementfabrik/Rheinufer. Die Ausschilderung der Route erwies sich an dieser Stelle wieder als Problem. Sogar die in Laubenheim ortskundige Bundestagsabgeordnete, die an der Spitze radelte und den Weg erkundete, übersah in der Dunkelheit das kleine Schild, das die Abzweigung markiert.

Die weitere Fahrt führte die Gruppe entspannt am Rheinufer entlang zurück zur Innenstadt. Ein ungutes Gefühl hinterließ dabei nur ein Schild am Winterhafen-Eingang. Dort prangt über dem als Radwanderweg ausgeschilderten Rheinuferweg rot gerahmt der Hinweis „Betriebsweg der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Benutzen verboten“, Zusatz „Frei für Fußgänger, Radfahrer u. Anlieger auf eigene Gefahr“.  Hier will offenbar niemand die Verantwortung für den Wegezustand übernehmen. Wer aus der anderen Richtung den Weg kommt, erfährt allerdings nichts von dieser Warnung.

Auch bei Dunkelheit ist das Schild für Radler nicht bemerkbar. Rößner sieht die Bundesbehörde in der Pflicht: „Dieser Abschnitt ist als Landesradroute ausgeschildert und Teil des Europäischen Radroutennetzes. Daher sollte die Bundesbehörde, die Baulastträger des Weges ist, ihrem Auftrag nachkommen und den Weg in Schuss halten – vor allem dann, wenn der Radweg von anderen Behörden empfohlen wird. Das Wasser- und Schifffahrtsamt darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen.“ Am Schluss der Tour stimmten die Teilnehmer dem Resümee des Fahrradexperten zu, dass das Rad in Mainz auch bei Dunkelheit und schwierigen Wetterbedingungen genutzt werden kann, aber Führung, Ausbau und Auszeichnung der Routen verbesserungsbedürftig sind. Wobei die Finanzierung nicht allein an den ohnehin überlasteten Kommunen hängenbleiben dürfe.

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