Demografiekongress: Gut leben im Wandel

Bericht vom Workshop „Von wegen Hinterwäldler – Was wir von ländlichen Regionen lernen können“

Im Workshop der Abgeordneten Cornelia Behm und Tabea Rößner ging es um die Potenziale von ländlichen Regionen. Dr. Franziska Lehmann von proloco, einem Bremer Büro für Stadt- und Regionalplanung- und –entwicklung, stellte in ihrer Einführung erste Faktoren heraus, die sich bei Projekten auf dem Land als positive Triebfedern herausgestellt haben. Es gäbe oft in Dörfern gute Beteiligungsstrukturen und ein hohes Verantwortungsbewusstsein für die eigene Umgebung. Darüber hinaus seien die Menschen oft eigeninitiativ und hätten keine „Jammermentalität“ – die Leute vor Ort seien es gewohnt, sich selbst um ihr Umfeld zu kümmern. Dabei legten die Bewohnerinnen und Bewohnern von ländlichen Regionen oft auch eine gewisse Gelassenheit an den Tag.

In der folgenden Diskussion wurde als wichtige Voraussetzungen für die positive Gestaltung im ländlichen Raum die Handlungsfähigkeit der Kommunen genannt – sowohl auf verwaltungstechnischer als auch individueller Ebene. Einzelne „Charaktere“ wie engagierte BürgermeisterInnen können den Verlauf eines Projekts enorm beeinflussen und andere mitziehen. An dieser Stelle können Qualifizierungsprogramme greifen, die solche Personen fördern. Als Beispiel wurde noch die Weiterbildung zur/zum DorfmoderatorIn genannt. Bei der jetzt anstehenden Reform der europäischen Sturkturfonds müssten integrierte Förderkonzepte wie der Leader-Ansatz gestärkt und mehr Verantwortung auf die regionale Ebene überführt werden. Gleichzeitig sei auch die Förderung von Kooperationen zwischen verschiedenen Kommunen notwendig, damit die Region gemeinsam und nicht gegeneinander entwickelt werde.

Ohne Moos nix los – das gilt auch für den ländlichen Raum. Alle Workshop-TeilnehmerInnen waren sich darüber einig, dass im Bereich Finanzen die größten Hemmschuhe für positive Entwicklungen liegen. Bei Förderprogrammen wurde die fehlende Flexibilität der Rahmenbedingungen kritisiert Derzeit seien Förderprogramme oft zu starr, um den Bedürfnissen vor Ort wirklich gerecht werden zu können. Dies liege auch daran, dass es kaum ressortunabhängige oder –übergreifende Programme gäbe. Es wäre ebenso wünschenswert, nicht nur zentral geplante Modellprojekte anzuschieben, sondern auch positive Ansätze zu fördern, die in den Regionen selbst entwickelt werden. Zudem würden erfolgreiche Modellprojekte ohnehin so gut wie nie in eine Regelförderung überführt. Dabei täte gerade im ländlichen Raum eine langfristige Finanzplanung not. Regionalbudgets wurden hier als ein gangbarer Lösungsweg genannt.

Als großes Hindernis wurde das Fehlen von schnellen Internetanschlüssen in vielen ländlichen Regionen angesehen. Die Infrastrukturpolitik müsste besser an die tatsächlichen Bedürfnisse vor Ort angepasst werden. Als Beispiel wurde neben dem Netzausbau auch die Verkehrsplanung genannt. In der Raum- und Bauleitplanung müssten unter anderem auch soziale Faktoren berücksichtigt werden.

Anklang fand auch die Forderung nach eine „Erlaubniskultur“, in der Eigeninitiative tatsächlich gefördert, anstatt durch bürokratische Hürden erschwert wird. Entbürokratisierung war denn auch eine der Hauptforderungen der TeilnehmerInnen, um erfolgreiche Entwicklungen voranzubringen. Um innovative Antworten auf Zukunftsfragen zu finden, brauche es vor allem Platz für Kreativität.

Einen gesamten Bericht zum Demografiekongress und den anderen Workshops finden sie hier.

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