Plant Merkel der Energiewende das nächste Bein zu stellen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte gestern vor einer Überversorgung mit erneuerbaren Energien. Sie dringt auf eine Abstimmung mit den Ländern, da ein paralleler Ausbau von Windkraft auf See und an Land zu einem Überangebot an erneuerbaren Energien führen könne, welches den Bau rentabler Grundlastkraftwerke behindere. Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner aus Mainz (GRÜNE) erklärt dazu:

„Mit Aussagen wie: „Wir können nicht doppelt bauen“  in Bezug auf den Ausbau von Windkraft sowohl auf dem Meer als auch im Binnenland, bereitet Merkel das Ausbremsen von Windkraft auf dem Land vor. Das wäre fatal: Binnen-Windkraft ist die günstigste erneuerbare Energiequelle. Binnen-Windkraft kann durch dezentralen Zubau die Netze entlasten. Von Binnen-Windkraft profitieren viele regionale Akteure.

Rheinland-Pfalz hat sich mit dem 100%-Umstieg auf erneuerbare Energieträger in der Stromversorgung bis 2030 ein vorbildliches Ziel gesetzt. Mit den jüngsten Vorstößen gefährdet die Bundespolitik solche ehrgeizigen Ausbaupläne der Binnenländer. Ebenso wie die drastische und abrupte Kappung der Solarförderung, die voraussichtlich am 30. März im Bundestag verabschiedet wird, zeigen Merkels Aussagen, dass sie nicht zu einer umfassenden Energiewende steht.

Merkel hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Grundlastkraftwerke sind ein Fossil des fossilen Zeitalters. Sie können nicht schnell auf die Schwankungen der erneuerbaren Energieträger reagieren. Statt in Grundlastkraftwerke müssen wir in flexible Kraftwerke, in Stromspeicher und in intelligente Netze investieren. Es ist gerade das Ziel der Energiewende, dass wir immer weniger fossil betriebene Großkraftwerke brauchen und sie möglichst bald gar nicht mehr benötigen. Wenn wir sie nicht mehr brauchen, sind sie natürlich nicht rentabel. Und das ist gut so. Merkel will mit ihrer „Energiewende-light“ die zentrale Energiestruktur mit wenigen Großkonzernen stützen. Eine Energiewende, die ihren Namen verdient, setzt jedoch einen wirtschaftlichen Kulturbruch voraus: Weg vom Zentralismus hin zu einer dezentralen Energiewirtschaft, an der sich möglichst viele beteiligen können. Davor scheut Merkel zurück.“

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