Alle an einem Strang ziehen

Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner aus Mainz wendet sich mit einem offenen Brief an die Wirtschaftsverbände der Region, um die bürgerschaftliche Bewegung für besseren Fluglärmschutz zu stärken. Sie erklärt dazu:

„Die Wirtschaftsverbände gehören mit ins Boot der breiten Bewegung in Rheinhessen und Mainz, welches für einen wirksamen Schutz vor dem zunehmenden Fluglärm eintritt. Jahrelang kritisierten Vertreter der Wirtschaftsverbände das Engagement der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau als Gefährdung des Standorts. Jetzt wird klar, dass sich der viel beschworene „Jobmotor“ zum „Jobkiller“ wandelt. Seit 2007 hat Fraport die Belegschaft um ein Drittel reduziert. Zusätzlich klagen auch Unternehmen über den vermehrten Fluglärm und drohen sogar mit Wegzug. Das ist die Ironie des Schicksals: Nicht der Kampf gegen den Flughafenausbau war standortgefährdend, sondern umgekehrt bedroht nun die Fluglärmsituation den Standort.

Im Interesse der Region sollten nun alle Gruppierungen an einem Strang ziehen – und zwar in dieselbe Richtung -, um tatsächlich wirksame Lärmschutzmaßnahmen durchzusetzen. Im 21. Jahrhundert kann es nicht mehr um einen Wachstum „auf Teufel komm raus“ gehen, sondern um eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur, die auf Qualität setzt. Gerade die Qualitäten, auf denen die deutsche Wirtschaftskraft beruht – Kundenorientierung und Innovationskraft – vertragen sich nicht mit einem Lärmteppich.

Eine gesunde Wirtschaft floriert nur mit gesunden, zufriedenen Menschen. Wir können nicht zwischen Gesundheit und Lebensqualität auf der einen und wirtschaftlicher Entwicklung auf der anderen Seite abwägen. Studien wie die Greiser-Studie haben gezeigt, dass Fluglärm die Gesundheit schädigt. Hohe Krankenstände sind ein bedeutender Kosten- und Risikofaktor für Unternehmen. Das beste betriebliche Gesundheitsmanagement wird torpediert, wenn die Angestellten durch den Lärm unter Dauerstress stehen. Die wirtschaftliche Planungssicherheit der Unternehmen ist auch auf einem anderen Gebiet gefährdet. Die kalte Enteignung stellt die Refinanzierung von betroffenen Unternehmen in Frage.

Die Beeinträchtigungen durch den Fluglärm sind kein reines Problem des Privatlebens. Um den Wirtschaftsstandort Rheinhessen nicht weiter zu verunsichern, sollten sich die IHK und die Handwerkskammer als Sprachrohr der regionalen Wirtschaft vehement für eine lebenswerte Region einsetzen. Sonst läuft den Unternehmen die wichtigste Ressource weg, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Offener Brief an die Wirtschaftsverbände finden Sie hier.

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