Biblis B als „Kaltreserve“ untragbar

Die Bundesnetzagentur prüft derzeit, ob eines und welches der Atomkraftwerke als sogenannte Kaltreserve bis zum Winter 2013 betriebsbereit gehalten werden soll, um mögliche Stromengpässe im Winter auszugleichen. Den hessischen Reaktor Biblis B des Betreibers RWE zieht die Bundesnetzagentur noch in Betracht.

Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner aus Mainz warnt vor den Gefahren direkt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz: „Biblis B ist ein einziger Pannenreaktor. Mit zehn meldepflichtigen Ereignissen hatte er in den vergangenen zwei Jahren mehr Pannen als jeder andere Reaktor. Das Reaktorschutzsystem entspricht nicht den Sicherheitsanforderungen. Mit einer Laufzeitverlängerung von Biblis B durch die Hintertür werden wissentlich Gefahren eingegangen. Das ist untragbar!“

Zudem ist das Modell der „Kaltreserve“ technisch höchst umstritten. Stillgelegte Atomkraftwerke brauchen Tage bis Wochen, bis sie ans Netz gehen und danach wieder heruntergefahren werden können. Damit eignen sie sich nicht zum Ausgleich kurzfristiger Schwankungen. Ein Atomkraftwerk, welches betriebsbereit ist, aber keinen Strom produziert, verbraucht Strom und kostet nur. „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz“, so Rößner.

Nicht umsonst haben sich Bayern und Baden-Württembergschon im Vorfeld der Untersuchungen der Bundesnetzagentur gegen eine „Kaltreserve“ eines ihrer Kraftwerke ausgesprochen.
Tausende Menschen der Region haben sich immer wieder an Protestaktionen gegen die Laufzeitverlängerung beteiligt. Eine Entscheidung für einen Weiterbetrieb des Reaktors würde sie wieder auf die Straße bringen.

Rößner stellt klar: „Wir brauchen ein intelligentes Strom-Management und ein transparentes Verfahren, wie sich Stromerzeugung und –nachfrage in den nächsten Jahren verhalten. Zudem bin ich überzeugt davon, dass ein kurzfristiges Drosseln der Stromnachfrage möglich ist, wenn Industrie, Gewerbe und Verbraucher mitziehen. Die Energiewende braucht ein neues Denken, keine gefährlichen Alt-Reaktoren auf Stand-By-Betrieb, die eine Gefahr für die Menschen bedeuten.“

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren