Unmenschliches Menschenbild

„Die ablehnende Haltung im Adoptionsrecht für Menschen in gleichgeschlechtlicher Beziehung zeigt, dass die Bundesregierung mit ihrem Menschenbild in den 50er Jahren stehen geblieben ist und die Interessen von Homosexuellen nicht vertritt. Die Mainzer Wahlkreisabgeordnete Ute Granold benutzt in der Begründung ihrer Position zudem ein Vokabular, das eine Geringschätzung und Diffamierung homosexueller Menschen deutlich werden lässt“, sagt die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner.

Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestag hat in dieser Woche ExpertInnen zum Thema Adoptionsrecht für Menschen in gleichgeschlechtlicher Beziehung gehört. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat im Anschluss eine Pressemitteilung heraus gegeben, in der sie ankündigt, Adoptionen von Kindern durch gleichgeschlechtliche Lebenspartner künftig weiterhin ablehnen zu wollen. Eine der beiden Verfasserinnen ist die Mainzer Wahlkreisabgeordnete Ute Granold. Selektiv werden Experten zitiert, die Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Lebenspartner ablehnen.

Wie das GRÜNE Ausschuss-Mitglied Volker Beck berichtete, äußerte sich die Mehrheit der ExpertInnen in der Anhörung pro Adoption durch gleichgeschlechtliche Lebenspartner. „Granold versteckt sich folglich in der Unions-Pressemitteilung hinter den von ihr ausgewählten Experten. Immerhin tut sie das aus gutem Grund. Denn die Auswahl der Zitate zeigt eine Haltung gegenüber Homosexuellen, die mindestens abschätzig ist“, sagt die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner.

In Granold’s Pressemitteilung wird ein Experte wie folgt zitiert: „Deshalb benötigten diese Kinder ein Umfeld, das nicht noch in seiner Besonderheit eine zusätzliche Herausforderung oder Belastung für sie darstellt.“ Rößner erwidert: „Homosexuelle Eltern sind genau so viel und genau so wenig eine Belastung für Kinder wie heterosexuelle. Wie gut ein Kind aufwächst, hängt nicht von der sexuellen Neigung der Eltern ab, sondern davon, wie viel Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe sie den Kindern schenken können.“

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