Aufgaben wachsen, Mittel werden gekürzt

Die Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses Tina Heidger führte durch die Einrichtung, unter deren Dach auch viele Vereine und Verbände untergebracht sind. Die Bundesregierung hat bundesweit 500 Mehrgenerationenhäuser fünf Jahre lang gefördert, in denen sich Bürgerinnen und Bürger jeden Alters treffen können, beraten und unterstützt werden.

Darüber hinaus stehen im Mayener Mehrgenerationenhaus bei Fragen zur Pflege älterer Menschen, zu Schwangerschaft, Suchtproblemen oder zum Berufseinstieg Ansprechpartner zur Seite. Zugewanderte können dort in Kursen Deutsch lernen. Ehrenamtliche besuchen Menschen, die zu Hause auf Hilfe angewiesen sind, und entlasten deren Angehörige. Das Café CATI steht als offenes Wohnzimmer allen zur Begegnung und zum günstigen Mittagessen offen. Die Bundesregierung hat zwar für 2011 ein Anschlussprogramm angekündigt, wie das allerdings aussehen wird, weiß noch niemand. Daher bangen einige Häuser um ihren Fortbestand. In Mayen hat der Caritasverband allerdings so viele zusätzliche Angebote eingerichtet, dass zwar nicht der Fortbestand gefährdet ist, das Angebot aber möglicherweise eingeschränkt werden muss. Weil bereits Integrationsprogramme in den Arbeitsmarkt weggefallen sind, musste das Haus bereits einige Maßnahmen streichen.

Die sozial Engagierten des Mehrgenerationenhauses stehen vor dem Dilemma, welches sich mit dem  Altern und Schrumpfen der Bevölkerung verschärft: Die Aufgaben wachsen, die Mittel werden gekürzt. In Mayen versorgen sich 350 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln aus der Mayener Tafel, bei der Ehrenamtliche Lebensmittel-Spenden an Bedürftige verteilen. Allerdings wird von Woche zu Woche die Zahl der Bedürftigen größer. Die soziale Spaltung der Gesellschaft wird hier besonders deutlich. Die Tafel kann aber nur das letzte Netz sein. „Umso wichtiger ist es, dass benachteiligte Menschen so unterstützt werden, dass sie in Zukunft eigenständig für sich sorgen können“, bekräftigt Rößner.

`Learn4work´war ein solch aktivierendes Programm, das jährlich zahlreiche Jugendliche aus dem Kreis sozialpädagogisch begleitet und in eine Ausbildung vermittelte hat. 2009 ist das Programm jedoch ausgelaufen. Immer noch stehen viele  Jugendliche auf der Straße, die das Programm hätte auffangen können. „Das ist immer schade, wenn ein gut funktionierendes Projekt nicht fortgeführt werden kann“, hebt Heidger hervor.

Im Jobcenter des Landkreises diskutierten Rößner und der Vorstand der Grünen Mayen-Koblenz mit Geschäftsführer Rolf Koch und Projektleiterin Marianne Morgenschweis über Integrationsmaßnahmen, insbesondere über das Bundesprogramm „Perspektive 50plus“, mit dem älteren Arbeitslosen die Aufnahme von Erwerbsarbeit erleichtert werden soll.

In Zukunft wird sich die Zahl der Arbeitssuchenden nach den Prognosen verringern, da mit der demografischen Entwicklung der Anteil der Arbeitsfähigen an der Bevölkerung sinken wird. Zurück bleiben dennoch die weniger belastbaren Menschen, die vom Leistungsdruck überfordert sind. „Die Bundespolitik muss in Zukunft langfristige Programme unterstützen, die die Menschen dort abholen, wo sie stehen, um sie in die Gesellschaft zu integrieren. Kurzfristige Programme helfen nur kurzfristig. Wir brauchen eine systematische Förderung von Benachteiligten von Anfang an. Dabei müssen wir schon bei der frühkindlichen Bildung, bei Aus- und Weiterbildung ansetzen“, verdeutlicht Bundestagsabgeordnete Rößner.

Weit mehr als die Hälfte der älteren Arbeitslosen braucht Unterstützung in sozialen Grundvoraussetzungen wie bei ihrer Gesundheit oder bei einem geregelten Tagesablauf. Die Betreuer versuchen individuell zu helfen. Das Angebot reicht von der Gesundheitsförderung über Weiterbildungen bis zur Finanzierung eines Führerscheins. Der Erfolg zeigt sich langfristig, dafür aber nachhaltig. Nach Geschäftsführer Koch sei das Projekt sinnvoll; die Projektmittel ersetzen aber teilweise Finanzmittel, die die Bundesregierung zurückgefahren hat und vorher ohne Projektbindung zur Verfügung standen. Dies zeigt wieder die Problematik von Projektförderung, die nicht auf Dauer angelegt ist.
Koch und Morgenschweis wünschen sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Sozialversicherungsträgern. Das Jobcentererbringt Leistungen, die weit über die Arbeitsmarktpolitik hinausgehen. Damit sei es alleine überfordert. Ein Teil der Arbeitssuchenden ist zum Beispiel psychisch labil. Diese seelischen Hemmnisse seien ein großes Hindernis bei einer geregelten Arbeit.

Auch von den Krankenkassen sei deshalb ein stärkeres Engagement unabdingbar. „Projektförderung allein reicht nicht, wir brauchen grundsätzlich eine menschenfreundliche Ausrichtung der Sozialpolitik“, fasst Klaus Meurer, Vorstandssprecher der GRÜNEN im Landkreis Mayen-Koblenz, die Eindrücke der Besuche zusammen.

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