Das Grusel-Kabinett

Wir GRÜNEN haben bei der Bundestagswahl im September unser bisher bestes Ergebnis erreicht. Leider hat sich aber die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für eine andere Regierung entschieden. Wir sind in der Opposition, und das heißt, dass es unsere Aufgabe ist, die Regierung genau zu beobachten und kritisch zu begleiten.
Das macht oft schlechte Laune – heute nicht. Und da meine Chefin zurzeit keine Texte für die neue Homepage schreiben kann, weil sie noch ihre Rohrzange sucht, schreibe ich halt was, ganz nüchtern und sachlich– morgens halb zehn in Deutschland.

Guido Westerwelle (FDP) ist Außenminister – endlich.
Sein Traum ist Wirklichkeit geworden. Endlich kann er um die Welt fliegen und muss sich nicht mehr um den Kleinkram der deutschen Politik kümmern. Und uns bleibt sein Mantra erspart: Steuersenkungen, Steuererleichterungen, Steuergeschenke.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) darf Justizministerin sein – macht nix.
Sie lernt schnell wieder, wie das so ist in der Regierung. So legte sie prompt Widerspruch gegen SWIFT ein, aber keiner hörte hin. Sie ist zwar voll dagegen, gemacht wird es trotzdem. Aber das kennt sie ja aus ihrer eigenen Partei.

Thomas de Maizière (CDU) leitet das Innenministerium – unauffällig.
Da bisher von ihm noch nichts zu hören war, bin ich erst einmal froh, dass Schäuble nicht mehr für meine und unsere Sicherheit sorgt. Vielleicht ruf ich mal die 115 an und frage, was er gerade so macht. Obwohl – besser nicht, aus dem BMI kommt selten Erfreuliches. Außer der 115 natürlich.

Wolfgang Schäuble (CDU) macht die Finanzen – da hat er viel Übung.
Ich frage mich, was es zu bedeuten hat, einen Mann zum Finanzminister zu ernennen, der früher hauptamtlich die schwarzen Kassen der CDU verwaltete. Naja vielleicht findet er noch was Geld in der Schreibtischschublade. Aber neuerdings scheint er es mit der Wahrheit besonders genau zu nehmen, wenn er schon mal ankündigt, dass das alles gar nicht zu finanzieren ist, was seine Regierung so macht.

Rainer Brüderle (FDP) übernimmt die Wirtschaft – nicht lustig.
Obwohl sich Deutschlands Wirtschaftszeitungen bald einen Wettbewerb liefern, wer Brüderle am besten durch den Kakao ziehen kann.
Isch sag nischte und zitiere nur aus einem einzigen Artikel der FDT:
drittklassiger Kandidat, farbloser Politiker im Winter seiner Karriere, Vertretung der Industrie- und Handelskammer im Kabinett, Leichtmatrose…

Ursula von der Leyen hat im November 2009 das Bundesministerium für Arbeit und Soziales übernommen – echt jetzt.
Nachdem sie nicht Gesundheitsministerin werden durfte, musste sie erst einmal Familienministerin bleiben, auch wenn sie dazu gar keine Lust hatte. Und wussten Sie schon: Frau von der Leyen hat sieeeeeeben Kinder – toll.

Ilse Aigner (CSU) bleibt Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – noch.
Erst musste die oberste amtliche Tierschützerin erklären, warum sie beim Bundespresseball Fuchspelz trägt („Ist nicht mein Stil“) und dann ihre Büroleiterin entlassen, weil diese für schlappe 3.900 Euro Füllfederhalter vom Bundestagskonto bezahlte. Hoffentlich entlässt mich meine Chefin nicht für den Quatsch, den ich hier verzapfe.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verteidigt das Verteidigungsministerium –
militärisch angemessen.
Immerhin sieht er gut aus und kann drei Sätze geradeaus formulieren. Auch wenn er nicht hinreichend informiert wird, ist er schnell mit einer passenden Einschätzung dabei – irgendwie wie isch.

Kristina Köhler hat das Bundesfamilienministerium im November 2009 übernommen – radikal.
Bisher ist sie mir nur deswegen aufgefallen, weil sie jedweden Extremismus für gleich gefährlich hält – radikal halt. Trotzdem finde ich es nicht schön, dass alle lästern, sie wäre deshalb so gut als Familienministerin geeignet, weil sie noch bei ihren Eltern wohnt.

Philipp Rösler ist Bundesgesundheitsminister – aber nur bis 45, sagt er.
Immerhin ist er der erste Politiker, den ich kenne, der vor Amtsantritt schon mal verkündet, wann er gedenkt aufzuhören. Dies ist aber die einzige positive Nachricht. Was seine Politik betrifft, können Sie schon mal den Pullover rausholen, denn kalt wird es werden.

Peter Ramsauer (CSU) ist neuer Verkehrsminister – verkehrt.

Norbert Röttgen (CDU) leidet unter dem Umweltministerium – ganz echt.
Immerhin erweckt er wenigstens den Anschein, als läge ihm was an der Sache. Zumindest hat er nach Zeugenberichten in Kopenhagen nicht geschlafen, sondern die ganze Nacht verhandelt – nur mit wem?

Annette Schavan (CDU) für Bildung und Forschung – munkelt man.
Bildung ist ja auch nicht so wichtig – außer bei Sonntagsreden. Lieber mal den Hotelbetreibern ein paar Euros geben, statt irgendwelchen Unterprivilegierten. Am Schluss machen die noch Abitur und nehmen von der Leyens sieeeeeben Kindern die Studienplätze weg.

Dirk Niebel (FDP) wickelt das Entwicklungsministerium ab – hat er versprochen. Endlich hat die FDP mal ein Ressort, in dem man wirklich sparen kann. Alles unnötige Ausgaben und die auch noch für Leute, die gar keine Besserverdienenden sind.

Ronald Pofalla (CDU) ist Kanzleramtsminister – und damit erst mal ruhig.
Das ist doch eine gute Nachricht zum Schluss.

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